Kommentar: Ex-US-Präsident in Nordkorea

Bill Clinton in heikler Mission

Offiziell soll der ehemalige US-Präsident Bill Clinton nur zwei amerikanische Journalistinnen aus nordkoreanischer Lagerhaft befreien. Das ist ihm gelungen.

Der stalinistische Herrscher Kim Jong-il hatte die beiden jungen Frauen als Geiseln nehmen lassen, weil er die erste und hoffentlich auch letzte kommunistische Familiendynastie der Geschichte von den USA anerkannt haben möchte.

Aus Sicht des Diktators befindet sich sein Land noch immer im Kriegszustand mit Amerika. Alle entscheidenden Fragen will er nur direkt mit Washington verhandeln. Mit der Behauptung, die Amerikaner bedrohten die Existenz seines ebenso kleinen wie abscheulichen Reiches, zwingt Kim sein Volk unter die Knute, betreibt er sein irrwitziges Atomprogramm und hält seine fernöstlichen Nachbarn in Atem. Clinton hat die Aufgabe, zwei Menschen zu befreien, ohne zu große Zugeständnisse zu machen und doch für bessere Beziehungen zwischen Pjöngjang und Washington zu sorgen. So etwas nennt man zu Recht heikle Mission.