Reform bei Organspende findet Zustimmung

Die Bereitschaft der Bürger lässt sich offenbar erhöhen, wenn sie regelmäßig gezielt gefragt werden. Das zeigt eine neue Umfrage

Berlin. Die Bereitschaft der Bundesbürger zu einer Organspende könnte durch die von Union und SPD geplante rechtliche Neuregelung deutlich steigen. Das ergibt sich aus Umfragen der Bertelsmann-Stiftung und der Krankenkasse Barmer GEK. Es bestehe die Chance, dass künftig mehr Menschen mit einer Organspende geholfen werden könne, sagte der Vorstandsvorsitzende der Barmer GEK, Christoph Straub. Der "unwürdige Zustand" würde gemildert, dass derzeit "jeden Tag drei Menschen sterben, die auf einer Warteliste für eine Organtransplantation stehen".

Aus den Ergebnissen der Umfragen lesen Straub und das Vorstandsmitglied der Bertelsmann-Stiftung, Brigitte Mohn, aber auch ein großes Informationsdefizit in der Bevölkerung heraus. Derzeit hätten nur 16 Prozent der Bürger einen Spenderausweis. 66 Prozent der Befragten wollten "bestimmt oder wahrscheinlich" ihre Einwilligung zur Organspende geben, sobald die Neuregelung in Kraft ist. Aber 36 Prozent fühlten sich nicht ausreichend informiert. 85 Prozent sprachen sich dafür aus, Kranke mit einer langen Wartezeit auf ein Spenderorgan bei einer Transplantation vorzuziehen. 59 Prozent wollten, dass Jüngere bevorzugt behandelt werden. Fast genauso viele, 57 Prozent, wollen todkranke Menschen besonders berücksichtigen, auch wenn die Erfolgsaussichten gering sind. 53 Prozent der Befragten waren dafür, Menschen bei einer Transplantation zu benachteiligen, wenn ihr Organversagen auf Rauchen, Drogenkonsum oder Medikamentenmissbrauch zurückgeht.

Im November hatten sich die Fraktionsspitzen von Union und SPD auf eine gesetzliche Regelung geeinigt. So sollen etwa die Krankenkassen die Versicherten regelmäßig über die Organspende informieren und die Spendenbereitschaft abfragen. Zwang oder Sanktionsandrohungen soll es aber nicht geben. Die Regelung soll im ersten Halbjahr 2012 Gesetz werden.

Für den Gesundheitsmonitor wurden 1800 Personen befragt. Dabei gaben 21 Prozent an, einen Organspendeausweis zu besitzen. Nur die Hälfte der Befragten (54,5 Prozent) sagte, sie habe hohes Vertrauen, dass es zuerst um die Lebensrettung des potenziellen Organspenders gehe und nicht vorrangig um die Organentnahme. Unklar ist weiterhin, ob die gezielte Ansprache der Bürger oder eine bessere Infrastruktur in den Krankenhäuser die Zahl der Organspenden erhöht. Im Osten, wo weniger Menschen einen Organspendeausweis haben als im Westen, gibt es dennoch mehr Organspenden. Das könnte damit zu tun haben, dass es weniger kleine Kliniken in Ostdeutschland gibt, die potenzielle Organspenden nicht melden. Der Bundestag will kommende Woche eine Änderung des Transplantationsgesetzes beschließen, nach der die Krankenhäuser einen Transplantationsbeauftragten bestellen müssen.