Gefängnisstrafe wegen Vergewaltigung

Ex-Präsident Mosche Katzav tritt siebenjährige Haftstrafe an

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Jan-Uwe Ronneburger, dpa

Israels ehemaliger Präsident Katzav hat seine siebenjährige Haftstrafe angetreten. Im März war er wegen Vergewaltigung verurteilt worden.

Tel Aviv. Bis zuletzt wusste der israelische Ex-Präsident Mosche Katzav nicht recht, wie ihm geschah. „Israel exekutiert heute einen Mann aufgrund bloßer Eindrücke, ohne Beweise. Ich werde lebendig begraben“, klagte er melodramatisch am Mittwoch in seiner vorerst letzten öffentlichen Stellungnahme als freier Mann.

Hunderte Reporter, Polizisten und Schaulustige drängelten sich vor seinem Haus in der Stadt Kirjat Malakhi, bevor Katzav zum Gefängnis in der Nähe von Ramla gefahren wurde. „Mosche, wir lieben Dich“, riefen Nachbarn. Nur eine Stunde später war der verurteilte Vergewaltiger ein Häftling.

Nur noch Nachbarn und Freunde des iranischstämmigen Politikers halten zu ihm. Der große Rest der israelischen Gesellschaft aber reagiert mit gemischten Gefühlen auf die Inhaftierung des vormals ersten Mannes im Staate.

„Es ist beschämend, dass ein Ex-Präsident wegen Vergewaltigung ins Gefängnis muss. Aber ich bin auch stolz: Dies ist keine Bananenrepublik, das Gesetz gilt für alle gleichermaßen“, sagt der Ladeninhaber Joram in Tel Aviv. Dass Katzav vielleicht doch unschuldig sein könnte, glaubt der 45-Jährige nicht. „Es ist gut, dass er ins Gefängnis gekommen ist“.

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Auch Tamar äußert Genugtuung über die Inhaftierung. „Ich finde, es ist ein Grund, stolz zu sein“, findet die 33-Jährige aus Tel Aviv. „Vielleicht werden sich Menschen in öffentlichen Ämtern jetzt nicht mehr unangreifbar fühlen.“ Ihr Mann Gal bremst ein wenig: „Ich glaube nicht, dass ein einziger Fall die Gesellschaft ändert. Klar, die Verurteilung ist ein Beispiel, aber das Ganze ist ein langer Prozess.“

Katzav selbst hat wiederholt geklagt, er sei Opfer einer Hexenjagd geworden. Die europäischstämmige Elite habe es einfach nicht ertragen, dass er als sephardischer Jude aus dem Iran in die höchsten Sphären aufgestiegen sei. Er habe niemandem etwas angetan. Aber die Richter waren anderer Meinung und glaubten den Opfern.

Die wichtigste Zeugin der Anklage, über die nur mit dem Kürzel A. berichtet wurde, hatte dem einstigen Staatsoberhaupt vorgeworfen, er habe sie 1998 in seinem Büro in Tel Aviv und zwei Monate später erneut in einem Hotel in Jerusalem vergewaltigt. Zwei weitere Frauen berichteten, er habe sie unter anderem gegen ihren Willen umarmt und seinen Körper an sie gedrückt.

Als letzte Hoffnung klammerte sich Katzav am Mittwoch an einen weiteren Termin beim Obersten Gerichtshof. Nachdem drei Richter des Gerichts vor einem Monat die Verurteilung bestätigt hatten, soll sich eine größere Kammer am 8. Januar erneut mit dem Fall befassen. Große Chancen werden Katzav nicht eingeräumt. Einer Umfrage zufolge sind 69 Prozent der Israelis überzeugt, dass der Ex-Präsident ein faires Verfahren hatte. (abendblatt.de)

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