Ein kühler Rechner führt die Notregierung

Der designierte griechische Ministerpräsident Papademos soll heute als Papandreou-Nachfolger vereidigt werden

Athen/Brüssel. Die Notregierung steht, der ungeliebte Premier kann gehen. Die EU hat die Einigung auf eine Übergangsregierung im krisengeschüttelten Griechenland begrüßt. "Wir haben uns schon lange für den notwendigen, parteiübergreifenden Konsens in Griechenland ausgesprochen", teilten EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy mit. Bundeskanzlerin Angela Merkel schien erleichtert, das der ehemalige Vizepräsident der Europäischen Zentralbank, Lucas Papademos den Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou nun ablöst: "Wir wollen, dass Griechenland schnell auf einen guten Weg kommt", sagte Merkel. Die Euro-Länder fordern von Athen schriftliche Garantien, bevor eine Auszahlung von acht Milliarden Euro aus dem alten Hilfsprogramm für Athen geleistet werden kann. Papademos hat von Staatspräsident Karolos Papoulias den Auftrag für eine neue Regierung erhalten. Sie soll heute vereidigt werden.

Papademos ist kein Redner, der die Bürger zu Begeisterungsstürmen hinreißt. Aber der kühle Rechner ist die letzte Hoffnung Griechenlands. Er soll eine Regierung anführen, die die drohende Staatspleite abwenden und Griechenland in der Euro-Zone halten soll. "Ich habe mich den größten Teil meines Lebens mit Finanzdingen befasst", sagte der 64-Jährige. Griechenlands Schulden laufen aus dem Ruder und könnten nach einer Prognose der EU-Kommission 2012 knapp 200 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreichen. Die Arbeitslosenquote stieg auf 18,4 Prozent.

Papademos ist einer der wenigen Griechen, die in der europäischen Finanzwelt einen Namen haben und geachtet werden. Er weiß aber auch, dass in Griechenland neben der wirtschaftlichen eine psychologische Depression herrscht. "Wir müssen alle optimistisch sein, dass wir es schaffen können", machte er seinen Landsleuten Mut. Papademos ist an keine Partei gebunden. Von ihm heißt es aber, er stehe den Sozialisten nahe, weil er 1994 vom damaligen sozialistischen Ministerpräsidenten Andreas Papandreou zum Chef der Zentralbank ernannt wurde. Er gilt als der Architekt des Beitritts Griechenlands zur Euro-Zone.