Ägypter protestieren gegen Militär-Regierung

Schwere Zusammenstöße auf Tahrir-Platz in Kairo. Mubarak bestreitet Amtsmissbrauch

Kairo. Auf dem Kairoer Tahrir-Platz hat es am Wochenende die schwersten Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Husni Mubarak vor zwei Monaten gegeben. In der Nacht zum Sonnabend gingen Hunderte Sicherheitsbeamte mit Tränengas, Gummigeschossen und scharfer Munition gegen Demonstranten vor. Mindestens ein Mensch wurde nach amtlichen Angaben getötet, 71 wurden verletzt. Augenzeugen sprachen von mindestens einem weiteren Toten.

Führer der Protestbewegung waren danach bemüht, die Lage zu beruhigen. Friedensnobelpreisträger Mohammed al-Baradei erklärte auf seiner Facebook-Seite, zwischen Militär und Volk müsse Vertrauen herrschen. Das sei eine "rote Linie zum Schutz der Nation".

Die Militärführung, die seit Mubaraks Rücktritt im Februar die Macht in Ägypten ausübt, versuchte, die Zusammenstöße auf dem Tahrir-Platz herunterzuspielen. In einer Erklärung wurde dementiert, dass es Tote gegeben habe.

Nach der gewaltsamen Räumung strömten Tausende Demonstranten auf den Tahrir-Platz zurück. Sie kündigten an, dort auszuharren, bis Verteidigungsminister Hussein Tantawi zurücktritt. Er regiert das Land derzeit an der Spitze eines Militärrats.

Mubarak hat bei seiner ersten öffentlichen Stellungnahme seit seinem Rücktritt den Vorwurf des Amtsmissbrauchs zurückgewiesen. In einer von dem arabischen Fernsehsender al-Arabija übertragenen Rede sagte er, er habe zu keiner Zeit seine Macht genutzt, um Reichtümer anzuhäufen. Er und seine Familie stehen in einem Präsidentenpalast im Badeort Scharm al-Scheich unter Hausarrest.