Tunesien lässt Interpol nach Ex-Präsident Ben Ali suchen

Tunis. Tunesien will dem nach Saudi-Arabien geflohenen Präsidenten Zine al-Abidine Ben Ali den Prozess machen. Die Übergangsregierung schaltete Interpol in die Fahndung ein, um auch Ben Alis Frau Leila und weitere Familienmitglieder zu finden. Dem Clan werden Diebstahl und Devisenvergehen vorgeworfen. Durch die Kontrolle vieler der größten Unternehmen des Landes sammelte Ben Ali in seiner 23 Jahre währenden Regentschaft immense Reichtümer an.

Justizminister Lazhar Karoui Chebbi kündigte zudem an, wegen der gewaltsamen Unruhen sechs Angehörige der Präsidentengarde vor Gericht zu stellen. In der Hauptstadt Tunis schlugen die Proteste gegen die neue Führung in Gewalt um. Polizisten in Kampfmontur setzten Tränengas ein. Die überwiegend jungen Demonstranten bewarfen die Beamten mit Steinen und forderten den Rücktritt aller Minister, die für Ben Ali gearbeitet haben.

Unterdessen haben sich 1500 Häftlinge freiwillig zurückgemeldet, die seit dem Sturz Ben Alis entkommen waren. Insgesamt sollen etwa 11 000 Häftlinge freigekommen sein. Gleichzeitig wurden knapp 700 mutmaßliche Unruhestifter festgenommen, die für Plünderungen und gewalttätige Übergriffe verantwortlich gemacht werden.