Säbelrasseln im Gelben Meer wird lauter

USA und Südkorea starten Manöver, der Norden stellt Raketen auf

Seoul/Washington. Nach dem Granatenangriff im Gelben Meer wollen die USA und Südkorea den nordkoreanischen Diktator Kim Jong-il mit einem viertägigen Manöver von weiteren Attacken abhalten. Die gemeinsame Marineübung mit dem US-Flugzeugträger "USS George Washington" und weiteren Schiffen diene der Abschreckung, teilte die US-Regierung mit.

Doch schon wenige Stunden nach Beginn des Manövers waren aus Nordkorea erneut Detonationen zu hören, die wie Artilleriefeuer klangen. Die Bewohner der südkoreanischen Insel Yeonbyeong suchten Schutz in Bunkern. Alle Berichterstatter wurden zum Verlassen der Insel aufgefordert. Nach Informationen der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap brachte Nordkorea nahe der umstrittenen Seegrenze Boden-Luft-Raketen gegen Kampfflugzeuge in Stellung.

Nach dem Angriff auf die Insel, bei der am Dienstag zwei Soldaten und zwei Zivilisten starben, sagte Südkoreas Marinechef Yoo Nak Joon am Sonnabend: Nordkorea werde "hundert- und tausendfach" für die Aggression bezahlen. Der Norden bedauerte den Tod der Zivilisten, beschuldigte aber seinen Nachbarn, diese zu Propagandazwecken als "menschliche Schutzschilde" missbraucht zu haben. Südkorea war auf den Angriff nicht vorbereitet, die späte Reaktion des Militärs stürzte die Regierung in eine Krise, der Verteidigungsminister musste zurücktreten.

Angesichts einer drohenden Eskalation regte China ein Treffen der sechs Staaten an, die bis zum vergangenen Jahr über Nordkoreas Atomprogramm verhandelt haben. Bei einem Treffen mit Südkoreas Präsident Lee Myung Bak bot der außenpolitische Berater Chinas, Dai Bingguo, die Vermittlung an. Als kaum verhüllte Kritik forderte Lee daraufhin eine "fairere und verantwortungsvollere Haltung" Chinas in dem Konflikt. Sein Land habe seit Ende des Koreakriegs alle Provokationen des Nordens hingenommen, werde aber keine weitere mehr dulden, sagte Lee.

Deshalb hat Südkorea verhalten auf den Plan neuer Sechsergespräche reagiert. Zu den Gesprächsteilnehmern zählen neben Nord- und Südkorea die USA, China, Japan und Russland. Im April 2009 hatte Nordkorea die Gespräche über sein Atomprogramm abgebrochen. Jetzt hieß es aus dem südkoreanischen Außenministerium, ein Treffen sollte "sehr vorsichtig" geprüft werden: Bevor die Sechsergespräche wieder aufgenommen werden, müsse Nordkorea konkrete Schritte zum Abbau seines Atomprogramms machen.