Offenlegung von Geheimakten setzt USA unter Druck

Internetportal WikiLeaks enthüllt, was Washington von Politikern in aller Welt hält

Berlin. Die Enthüllung von 251 287 Geheimberichten von US-Diplomaten auf dem Internetportal WikiLeaks bringt die amerikanische Regierung in große Erklärungsnot. In den Dokumenten werden weltweit Politiker kritisch beurteilt - auch deutsche. So wird Außenminister Guido Westerwelle (FDP) als "aggressiv" beschrieben. "He is no Genscher", heißt es in einem der Geheimberichte. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) charakterisieren US-Diplomaten als "risikoscheu" und "wenig kreativ", CSU-Chef Horst Seehofer als "unberechenbar mit begrenztem Horizont".

Mitunter noch härtere Urteile müssen sich Regierungsspitzen anderer Länder gefallen lassen, berichtet "Der Spiegel", dem Berichte vorab zugespielt worden waren. So werde der afghanische Präsident Hamid Karsai als "schwache Persönlichkeit" beschrieben, der von "Paranoia" getrieben sei. Aus dem US-Außenministerium seien zudem Informationen angefordert worden, ob Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi Privatgeschäfte mit Russlands Premierminister Wladimir Putin getätigt habe. Putin wird dabei als "Alpha-Rüde" bezeichnet. Die US-Regierung verurteilte die Veröffentlichung der Dokumente "aufs Schärfste". Sie sei unverantwortlich und gefährde das Leben etlicher Menschen.