Neue Mannschaft, bekannte Gesichter

Sarkozy geht bei Regierungsumbildung auf Nummer sicher

Paris. "Der neue Fillon ist da" - wie der Beaujolais-Wein, der jeden November neu angepriesen wird und doch immer gleich schmeckt, so erweckt auch die neue französische Regierung unter dem bisherigen Premierminister François Fillon den Eindruck des Altbekannten. Eineinhalb Jahre vor der nächsten Präsidentschaftswahl hat sich Amtsinhaber Nicolas Sarkozy von unbequemen Kabinettsmitgliedern getrennt. Für die Vorbereitung seiner erhofften Wiederwahl setzt er auf alte Profis und treue Gefährten. Deutschland wird sich vor allem zwei Namen merken müssen: Außenministerin Michèle Alliot-Marie, die weithin "Mam" genannt wird, und Europa- Staatssekretär Laurent Wauquiez.

Die 64-jährige Alliot-Marie ist für ihren Auftritt auf der internationalen Bühne bestens vorbereitet. Die promovierte Juristin und Politologin hat bereits mehrere wichtige Ressorts geleitet. Als Verteidigungs- und Innenministerin war sie jeweils die erste Frau auf dem Posten und verschaffte sich schnell Respekt. Ihr Lebensgefährte ist ebenfalls im Kabinett vertreten. Patrick Ollier wird Minister für Beziehungen zum Parlament. Damit hat Frankreich sein erstes Paar in der Regierung.

Der 35 Jahre alte Wauquiez, der bereits am heutigen Dienstag nach Berlin reisen will, war zuvor Staatssekretär für Beschäftigung. Der aufsteigende Politiker hat mehrere Hochschulabschlüsse und spricht nach französischen Medienberichten im Unterschied zu seinem Amtsvorgänger Pierre Lellouche auch Deutsch. Mit seiner neuen Regierung zieht Sarkozy einen Schlussstrich unter die Öffnung nach links. Mit dieser Strategie hatte er 2007 der Opposition ihre klugen Köpfe wegschnappen wollen.

Prominentes Opfer ist Außenminister Bernard Kouchner, der dem Kabinett nicht mehr angehört. Wie erwartet trennte Sarkozy sich auch von Arbeitsminister Eric Woerth, der in der Parteispendenaffäre um L'Oréal-Erbin Liliane Bettencourt in Verdacht geraten war. Aber auch Aushängeschilder des Multikulti-Kabinetts mussten gehen, darunter die schwarze Staatssekretärin Rama Yade.

Sarkozy setzt auf Nummer sicher: Der neue Verteidigungsminister Alain Juppé ist ein alter Recke, der schon mehrere Regierungsämter innehatte. Sein alter Freund Brice Hortefeux bleibt Innenminister und bekommt das Ressort Einwanderung zurück. Der bisherige Chef der Regierungspartei UMP, Xavier Bertrand, wird zum zweiten Mal Arbeitsminister. Christine Lagarde und François Baroin dürfen bleiben. Da das kommende Jahr im Zeichen der französischen G8- und G20-Präsidentschaft steht, hätten Experimente im Wirtschafts- und Haushaltsministerium gefährlich sein können. Die lange angekündigte und immer wieder verschobene Regierungsumbildung war für Sarkozy nicht zuletzt ein Mittel, um die öffentliche Meinung zu beschäftigen und die Loyalität seiner Minister zu stärken, die um ihren Job fürchteten.