Paketbomben der al-Qaida decken Sicherheitslücken auf

Ein Sprengsatz wurde in Köln umgeladen. Frachtflüge aus dem Jemen gestoppt. Innenminister sagt Nahost-Reise ab

Hamburg/Berlin/Sanaa. Die geplanten Paketbombenanschläge haben Sicherheitslücken in der weltweiten Terrorabwehr offenbart. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) räumte gestern ein, dass Luftfracht "relativ wenig" kontrolliert wird. Die Terroristen hätten diese Lücke erkannt. Er bestätigte, dass eines der Sprengstoffpakete über den Flughafen Köln/Bonn nach Großbritannien ging. Die Bundesregierung stoppte gestern alle Frachtflüge aus dem Jemen nach Deutschland. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) sagte, die Transportunternehmen seien verpflichtet, alle bereits lagernde Fracht aus dem Jemen umfassend zu kontrollieren.

In der Nacht zum Freitag waren in Frachtmaschinen auf dem englischen Flughafen East Midlands bei Nottingham und in Dubai im Jemen abgeschickte Pakete mit funktionsfähigen Sprengsätzen entdeckt worden. Sie waren an jüdische Einrichtungen bei Chicago adressiert. Aus Kreisen der katarischen Fluggesellschaft Qatar Airways verlautete, eines der Sprengstoff-Pakete sei zwischenzeitlich an Bord einer Passagiermaschine gewesen.

Der Anschlagsplan deute auf den Ableger des Terrornetzwerks al-Qaida im Jemen hin, sagte John Brennan, Anti-Terror-Berater der US-Regierung. "Sie sind eine gefährliche Gruppe. Sie sind eine entschlossene Gruppe", sagte er dem Sender NBC. Zudem wäre es unklug, davon auszugehen, dass es keine weiteren Paketbomben gebe. In Sanaa wurden bereits 24 weitere verdächtige Pakete entdeckt.

Der jemenitische Al-Qaida-Gruppe soll auch den 2009 nur knapp vereitelten Anschlag auf ein Flugzeug auf dem Weg von Amsterdam nach Detroit geplant haben. Vor allem den mutmaßlichen saudischen Al-Qaida-Terroristen Ibrahim Hassan al-Asiri haben US-Ermittler nun im Visier. Die früheren Aktivitäten al-Asiris und seine Erfahrung mit Sprengstoffen machten ihn laut US-Anti-Terror-Behörden zu einem Hauptverdächtigen. Der entscheidende Tipp für den Sprengstofffund kam nach Angaben der US-Regierung vom saudi-arabischen Geheimdienst. Im Jemen nahmen die Behörden vorübergehend eine verdächtige Studentin fest.

Nachdem die Paketbomben weltweit Terroralarm ausgelöst hatten, bekräftigte de Maizière, dass es seit einigen Wochen Hinweise auf Terrorgefahren gebe. Diese habe die Bundesregierung sehr ernst genommen. Doch gebe es keine Hinweise auf ein konkretes Ziel in Deutschland. Seine geplante Nahost-Reise sagte der Minister ab.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) zeigte sich besorgt. "Bei der Bundespolizei, die für den Luftverkehr zuständig ist, sollen bis 2014 insgesamt 1000 Stellen gestrichen werden", sagte GdP-Chef Konrad Freiberg. Das sei eine Sicherheitslücke und kein Beitrag zum Kampf gegen den Terrorismus.

Am Hamburger Flughafen kam am Wochenende keine Fracht aus dem Jemen an. Nach den Bombenfunden gebe es eine "neue Sensibilität", sagte Paul-Gerhard Heppe, Sprecher der Bundespolizeiinspektion Hannover, dem Abendblatt. Im Hafen ist nach Angaben der Hamburg Port Authority dagegen keine verschärfte Sicherheitslage ausgerufen worden.