Bär und Drache schließen langsam Freundschaft

Russland und China vereinbaren Zusammenarbeit bei der Energie

Peking. Die über Jahrzehnte rivalisierenden Großmächte China und Russland bauen ihre "strategische Partnerschaft" und Energiekooperation aus. Russlands Präsident Dmitri Medwedew und Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao weihten gestern in Peking mit einem symbolischen Knopfdruck die erste Pipeline zwischen dem größten Ölproduzenten und dem größten Energieverbraucher der Welt ein. Der Ausbau der wirtschaftlichen und politischen Zusammenarbeit wurde mit der Unterzeichnung von mehr als einem Dutzend Abkommen besiegelt. Es ging um die Kooperation bei Öl, Gas, Kohle, Kernenergie und erneuerbaren Energien sowie im Bankensektor.

Der russische Bär und der chinesische Drache werden langsam Freunde. Beide Seiten wollen das gegenseitige Misstrauen hinter sich lassen. Zwar haben Russen und Chinesen einst Seite an Seite gegen die japanische Besatzung in China gekämpft. Auch halfen die Sowjets den chinesischen Kommunisten 1949 auf dem Weg zur Macht in Peking.

Doch folgte eine tiefe ideologische Spaltung, in deren Folge die Chinesen den einst engsten Verbündeten als größte Bedrohung empfanden. Auf dem Höhepunkt der Spannungen lieferten sich beide Seiten Ende der 60er-Jahre blutige Grenzgefechte. Die Sowjetunion soll 1969 sogar einen nuklearen Schlag gegen China erwogen haben.

Jetzt vereinbarten Hu Jintao und Medwedew eine "umfassende Vertiefung der strategischen Partnerschaft". Beide zeigten sich zufrieden über die Entwicklung der Beziehungen, die ein nicht dagewesenes Niveau erreicht hätten. Beobachter werten die demonstrative Nähe von Russen und Chinesen auch als Schulterschluss gegen die Supermacht USA.

Die Fertigstellung der Pipeline nach Daqing in Nordostchina läutet ein neues Kapitel in den Beziehungen ein. Kommerzielle Lieferungen beginnen im Januar. Über die Abzweigung der Ostsibirien-Pazifik-Pipeline sollen pro Jahr 15 Millionen Tonnen Öl nach China fließen. Die russische Seite hält auch eine Verdoppelung auf 30 Millionen Tonnen für möglich. Bislang wurden jährlich neun Millionen Tonnen per Bahn exportiert. Beide Seiten hatten 2009 vereinbart, dass Russland für einen Kredit von 25 Milliarden US-Dollar bis 2030 insgesamt 300 Millionen Tonnen Erdöl nach China liefern wird. Russland will damit seine Abhängigkeit von europäischen Kunden verringern und neue Märkte in China erschließen. Für China ist die Pipeline wichtiger Teil seiner Strategie, die Energieversorgung und neue Lieferwege für seine rasant wachsende Wirtschaft zu sichern. "Dieses Projekt stärkt unsere strategische Partnerschaft und Zusammenarbeit", sagte Medwedew. Die Pipeline sei für beide Seiten von Vorteil. "Es ist ein großes Projekt, das unsere beiden Länder einander näherbringt." Medwedew sagte weiter, der Handel zwischen beiden Ländern werde in diesem Jahr auch wieder auf Niveau vor der Wirtschaftskrise mit knapp 60 Milliarden US-Dollar zurückkehren. "Der Handel und die wirtschaftliche Kooperation entwickeln sich sehr gut", sagte er.