Wähler verpassen Chávez Dämpfer

Sozialisten verlieren Zweidrittelmehrheit in der Nationalversammlung. Erfolg für die Opposition

Caracas. Venezuelas sozialistischer Staatschef Hugo Chávez hat bei der Parlamentswahl in seinem Land einen Dämpfer erhalten. Das oppositionelle Bündnis "Tisch der demokratischen Einheit" errang bei der Wahl am Sonntag mehr als ein Drittel der Mandate und beendete so die absolute Dominanz der Sozialistischen Einheitspartei Venezuelas (PSUV) in der Nationalversammlung.

Die Chávez-Partei ging zwar als klarer Sieger aus der Wahl hervor. Die Zweidrittelmehrheit verpasste sie aber. Chávez' Rivalen können somit die sozialistischen Reformen des Staatschefs ausbremsen, mit denen er sich für seine Wiederwahl 2012 empfehlen will. Bei der Wahl entfielen auf die Opposition nach offiziellen Angaben mindestens 59 Sitze.

Die PSUV und ihre Verbündeten errangen mindestens 94 Sitze. In einigen Wahlbezirken stand das endgültige Ergebnis noch aus. 110 Abgeordnete wurden direkt und 52 per Liste gewählt. Drei Sitze waren Vertretern der Ureinwohner vorbehalten. Das neue Parlament tritt am 5. Januar 2011 erstmals zusammen. Chávez, der seit fast zwölf Jahren regiert, bezeichnete das Ergebnis in seinem Twitter-Blog als "soliden Sieg, der ausreicht, um den bolivarischen und demokratischen Sozialismus zu vertiefen". Für die Oppositionsparteien ist das Ergebnis mehr als ein Achtungserfolg. Sie hatte die Wahl 2005 wegen befürchteter Manipulationen boykottiert. Die Venezolaner hätten jetzt für Veränderung gestimmt, sagte der Oppositionssprecher Ramón Guillermo Aveledo. "Die Einheit (Oppositionsblock Tisch der demokratischen Einheit) ist die Chance, dem Land eine Alternative zu bieten."