Tschechische Polizei ermittelt nach Grab-Fund

Beteiligter an Massaker an Sudetendeutschen 1945 soll noch leben

Prag. Nach der Entdeckung eines Massengrabes von etwa 15 ermordeten Sudetendeutschen in Tschechien geht die Polizei Hinweisen auf einen noch lebenden Beteiligten an den Exekutionen kurz nach dem Zweiten Weltkrieg nach. Die Namen der mutmaßlichen Verantwortlichen der Ermordung von etwa 15 Sudetendeutschen im Zentrum Tschechiens würden auf mehreren deutschen Internetseiten genannt, sagte der Ermittler Michal Laska der Zeitung "Hospodarske Noviny". Auch die deutsche Schriftstellerin Herma Kennel nenne mutmaßliche Mitglieder des Mordkommandos in einem Buch zu dem Vorfall in Dobrinin, einem Dorf in der Nähe von Jihlava (Iglau), namentlich. "Einer von ihnen lebt noch", sagte Laska.

Gegen den Mann, der in der tschechischen Presse Robert K. genannt wird, lägen bislang aber keine Beweise vor, hob der Ermittler hervor. "Man kann einen Menschen nicht anklagen, nur weil ein anderer sagt, dass er es getan hat", fügte Laska hinzu. 65 Jahre nach der Tat gebe es aber kaum mehr Hinweise. Die österreichische Zeitung "Die Presse" zitierte die tschechische Nachrichtenagentur CTK, wonach der Beschuldigte ein gebürtiger Österreicher sei. Der Zeitung "Dnes" sagte der Mann, er könne sich nicht an die betreffenden Ereignisse nach dem Zweiten Weltkrieg erinnern.

Die rund 15 Sudetendeutschen wurden nach bisherigen Erkenntnissen am 19. Mai 1945 in Dobrinin erschlagen oder erschossen. Sie wurden von einem Kommando der sogenannten Revolutionären Garden getötet, als sie in einem Internierungslager auf ihre Ausweisung nach Deutschland oder Österreich warteten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in der Tschechoslowakei etwa drei Millionen Deutsche enteignet und vertrieben. Insbesondere im Mai und Juni 1945 wurden mehrere Massaker an Dutzenden Sudetendeutschen, darunter Frauen und Kinder, verübt.