Opfer sind identifiziert, Täter bleiben unbekannt

Hilfsorganisation IAM will trotz des zehnfachen Mordes in Afghanistan bleiben

Kabul. Vier Tage nach dem Mord an zehn Ärzten und Helfern in Nordafghanistan hat die christliche Hilfsorganisation International Assistance Mission (IAM) die Namen ihrer getöteten Mitarbeiter veröffentlicht. Demnach handelt es sich bei dem deutschen Opfer um die 35 Jahre alte Daniela B. aus dem sächsischen Chemnitz, die als Dolmetscherin in der Gruppe arbeitete. Außerdem starben sechs Amerikaner, eine Britin und zwei Afghanen. Das Team wurde von dem Amerikaner Tom Little geführt, der vier Jahrzehnte Afghanistan-Erfahrung hatte.

Nach Angaben der Polizei waren die Helfer am Donnerstag im Nordosten des Landes im Grenzgebiet zwischen den Provinzen Nuristan und Badachschan getötet worden. Weiterhin blieb unklar, wer für die Tat verantwortlich ist. Die Taliban hatten sich zwar zu dem Angriff bekannt, ihre Aussagen sind aber oftmals nicht glaubwürdig. In der Region operieren auch kriminelle Banden.

IAM-Direktor Dirk Frans sagte: "Ein wichtiger Faktor, der die Zukunft von IAM beeinflussen wird, ist die Frage, wer diese Morde verübt hat." Man habe die Zusage des afghanischen Innenministeriums, des US-Bundeskriminalamts FBI und anderer Ermittler, dass sie alles unternehmen, um die Täter zu finden. Frans sagte, derzeit plane IAM nicht, sich aus Afghanistan zurückzuziehen. IAM arbeite seit 1966 in dem Land. "Es gab Zeiten, da war die Sicherheitslage viel schlimmer, als sie jetzt ist." IAM teilte mit, die Deutsche Daniela B. hinterlasse ihre Eltern und drei Geschwister. Sie sei Sprachwissenschaftlerin gewesen und habe die Landessprache Dari gesprochen. Sie sei dabei gewesen, die zweite Landessprache Paschtu zu lernen. B. habe zwischen 2007 und 2009 für IAM gearbeitet und sich an dieser Mission wieder beteiligt, um für Patientinnen zu übersetzen.

Die radikalislamischen Taliban haben in Westafghanistan nach Polizeiangaben eine schwangere Frau hingerichtet. Der Vizepolizeichef der Provinz Badghis, Dschabar Saleh, sagte, ein Taliban-Gericht habe die 40-jährige Witwe namens Bibi Sanawbar für schuldig befunden, durch eine unerlaubte Affäre schwanger geworden zu sein. Sanawbar sei zunächst drei Tage eingesperrt und dann mit 200 Hieben ausgepeitscht worden. Anschließend wurde sie mit drei Schüssen in den Kopf getötet.

Die Taliban hatten während ihrer Herrschaft zwischen 1996 und 2001 Menschen auch in Fußballstadien hingerichtet.