Mit Obama ist derzeit kein Staat zu machen

Präsident wird wegen schwacher Umfragewerte bei Zwischenwahlen nicht auftreten

Menschen, die witzig sein wollen, reagieren auf die Frage "Kann ich dir helfen?" gern mit der Antwort: "Danke, allein ist's schon schwer genug." Barack Obama wollte keinen Gag landen, als er neun demokratischen Kongressabgeordneten beim Tischgespräch im Weißen Haus zu den in drei Monaten anstehenden Zwischenwahlen sagte: "Wahrscheinlich wollen Sie ja nicht einmal, dass ich in Ihren Wahldistrikt komme."

Ich helfe euch, indem ich mich nicht in eurer Nähe blicken lasse: Mit dieser Offerte zieht der Präsident Konsequenzen aus miserablen Umfrageergebnissen. Laut Gallup-Institut sackte die Zustimmung zu seiner Amtsführung mit 44 Prozent im Juli auf einen neuen Tiefstwert. 47 Prozent der US-Bürger sind mit Obamas Arbeit unzufrieden. Mitte Januar gaben ihm noch 68 Prozent gute und nur zwölf Prozent schlechte Noten.

Darum will der Präsident lieber aus der Ferne die demokratischen Kongresskandidaten unterstützen, indem er Spenden sammelt, E-Mail-Aktionen initiiert und politische Botschaften liefert. Laut "New York Times", die über die Abstinenzidee des einst so massenattraktiven Präsidenten berichtete, taucht Obamas Konterfei bislang häufiger in Anzeigen der Republikaner als in denen der Demokraten auf.

Etliche Parteifreunde sind hingegen der Meinung, der Präsident müsse öfter das Weiße Haus verlassen, in der Provinz kämpfen und die "Enthusiasmuslücke" schließen (Obamas Berater David Pouffe). Mancher hat den Verdacht, der Amtsinhaber wolle sein Pulver trocken halten für seinen eigenen Wahlkampf 2012.

Überhaupt die Präsidentenwahl: Während nur noch 52 Prozent ein insgesamt (nicht nur das Amt betreffendes) positives Bild von Obama haben, ist sein Vorvorgänger Bill Clinton mit 61 Prozent signifikant an ihm vorbeigezogen. Wie reagiert der Präsident darauf? Er könnte seinen derzeitigen Vize Joe Biden ins Außenministerium schicken und Hillary Clinton, die in Umfragen glänzend dasteht, 2012 zu seiner "running mate", also zu seiner Hauptwahlkämpferin und designierten Vizepräsidentin, machen.

Morgen kann der erste afroamerikanische Präsident der USA, der Friedensnobelpreisträger und (einstige) Superstar vielleicht trotz allem ein wenig entspannen: Barack Obama feiert dann seinen 49. Geburtstag.