Uno-Bericht meldet steigenden Kokain-Konsum in Europa

Genf. Die Zahl der Kokain-Konsumenten in Europa hat sich nach Angaben der Vereinten Nationen zwischen 1998 und 2008 von zwei Millionen auf 4,1 Millionen mehr als verdoppelt. Das geht aus dem Weltdrogenbericht hervor, den das Uno-Büro für Drogen und Kriminalität (UNODC) gestern veröffentlicht hat.

Inzwischen erzielen die Kokain-Händler in Europa nach Angaben der Vereinten Nationen einen Umsatz von 34 Milliarden US-Dollar jährlich. Nur auf dem US-Markt machten die Rauschgift-Banden mit 37 Milliarden US-Dollar einen noch höheren Umsatz. Die US-Amerikaner greifen allerdings den Experten zufolge immer weniger zum Kokain. Der starke Anstieg des Kokain-Konsums in Europa hingegen führe zu verstärktem Schmuggel der Droge aus den Andenstaaten über Westafrika nach Europa. In Südamerika würden für den Anbau des Koka-Strauchs immer mehr Wälder gerodet.

In Westafrika unterwanderten die Drogenkartelle die Regierenden mit Bestechung. "Die Kokainschnupfer in Europa töten die Wälder der Andenstaaten und destabilisieren Regierungen in Westafrika", erklärte der Direktor des Uno-Büros, Antonio Maria Costa.

Auch schrumpfe der weltweite Markt für Heroin. Vor allem in Afghanistan und Myanmar werde weniger vom Heroin-Rohstoff Opium produziert, so das UNODC.

Hierzulande ist die Entwicklung allerdings weniger besorgniserregend. "Es besteht keine vergleichbare Entwicklung des Kokainkonsums in Deutschland," sagte die Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans, dem Abendblatt. Bei Cannabis, der auch in Deutschland am weitesten verbreiteten Droge, sei der Trend sogar rückläufig. Es käme deshalb darauf an, "die Präventionsmaßnahmen weiter zu festigen und das Suchthilfesystem zu stärken, damit der rückläufige Trend sich auch weiterhin fortsetzt", so Dyckmans.

In dem Uno-Bericht warnen die Fachleute auch davor, dass immer mehr Menschen von synthetischen Drogen wie Ecstasy abhängig würden. Schon bald werde die Zahl der Konsumenten von Rauschgiften wie Ecstasy die Zahl der Nutzer von Kokain und Opiaten übersteigen. Cannabis bleibt nach den Recherchen der Uno-Spezialisten auch international die am weitesten verbreitete illegale Droge. Laut Schätzungen rauchen 130 Millionen bis 190 Millionen Menschen mindestens einmal pro Jahr Hasch. Das meiste Cannabis stammt aus Afghanistan.