Zwei deutsche Soldaten bei Anschlag in Afghanistan verletzt

Trotz neuer US-Strategie ist die Stärke der Taliban ungebrochen

Berlin/London. In diesem Sommer sollte die Entscheidung im Kampf gegen die Taliban in Afghanistan fallen. Die USA haben dafür eine Truppenaufstockung vorgenommen - und einen Taktikwechsel. Doch angesichts hoher Verluste wird immer fraglicher, ob die neue Taktik greift und ob sie durchzuhalten ist. Denn die Aufständischen erweisen sich als widerstandsfähig.

Erst gestern sind bei einem Sprengstoffanschlag nahe der nordafghanischen Stadt Kundus zwei Bundeswehrsoldaten verletzt worden. Nach Angaben des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr in Potsdam wurde ein Soldat schwer verletzt. Er werde im Rettungszentrum medizinisch versorgt. Seit Beginn des Einsatzes Anfang 2002 sind 43 deutsche Soldaten am Hindukusch ums Leben gekommen. Allein in diesem Jahr fielen 253 Soldaten der internationalen Truppen, etwa zwei Drittel von ihnen waren Amerikaner. Mit 1822 Toten bezahlte die Allianz der Willigen den Einsatz bisher insgesamt.

US-General Stanley McChrystal, Experte für Spezialoperationen, sollte die neue Taktik umsetzen. Er denkt in den Kategorien des Guerillakampfes und stellt die Taliban dort, wo sie sind: vor allem im Süden und in den grenznahen Bergregionen zu Pakistan. Sein Ansatz hat US-Präsident Barack Obama überzeugt. Seine Taktik: Alliierte Truppen gehen im Verbund mit afghanischen Soldaten in der Fläche gegen den Feind vor, Dorf für Dorf, Haus für Haus.

Dass die Taliban aber noch immer handlungsfähig sind, zeigen zwei Nachrichten aus den vergangenen Tagen: In Helmand konnten sie einen US-Hubschrauber abschießen, vier amerikanische Soldaten starben dabei. Ihr perfider Terror macht auch vor Zivilisten nicht halt: Mehr als 50 Menschen, darunter viele Kinder und Frauen, starben, als ein mutmaßlicher Taliban-Selbstmordattentäter in der Region Kandahar seinen Sprenggürtel inmitten einer Hochzeitsgesellschaft zündete.

Anfangserfolge gab es bei der neuen US-Strategie durchaus. So sollte die Operation "Muschtarek" (arab: Gemeinsam) der Anfang vom Ende des Waffengangs am Hindukusch sein. Mardscha, Hochburg der Taliban, wurde tatsächlich im Sturm genommen. Aber dann? Der angekündigte Sturm der insgesamt 150 000 alliierten Soldaten gegen Kandahar, der "südafghanischen Hauptstadt" und logistischen Basis der Taliban, ist verschoben auf unbestimmte Zeit. Es fehle im Moment noch die Unterstützung der Bevölkerung, sagte McChrystal: "Es ist wichtiger, dass wir es richtig machen, als dass wir es schnell tun." Der Zeitplan jedenfalls lasse sich nicht halten. Ein Sieg in Kandahar gilt aber als Voraussetzung für den geplanten Beginn des Abzugs der ausländischen Truppen im Juli 2011.