Iran schickt Schiffe nach Gaza

Im Mittelmeer droht Konfrontation mit Israels Marine. Türkei besteht auf Untersuchungskommission

Hamburg/Teheran. Die politische Krise um die Erstürmung einer Hilfsflotte für den Gazastreifen durch israelische Spezialeinheiten könnte sich in den kommenden Tagen dramatisch zuspitzen. In Teheran kündigte Hodschatoleslam Ali Shirazi an, Kriegsschiffe der Revolutionsgarden stünden bereit, Hilfsschiffe mit Gütern für den Gazastreifen zu eskortieren. Shirazi ist ein enger Mitarbeiter des obersten geistlichen Führers Ajatollah Ali Khamenei. Der Chef des iranischen Roten Halbmondes, Abdul-Rauf Adibsadeh, erklärte, Ende der Woche werde Teheran zwei Schiffe mit Lebensmitteln und Helfern für Gaza entsenden.

Israel hat den Gazastreifen, der von der radikalislamischen Hamas beherrscht wird, seit mehr als drei Jahren abgeriegelt. Zum einen soll damit verhindert werden, dass Waffen für die Hamas eingeschmuggelt werden, zum anderen soll die Hamas gezwungen werden, den entführten israelischen Soldaten Gilat Shalit herauszurücken.

Bei der Erstürmung des türkischen Führungsschiffes der Hilfsflotte, die das Embargo durchbrechen wollte, waren neun Türken von Soldaten der israelischen Spezialeinheit Shayetet 13 getötet worden. Einen Vorschlag von Uno-Generalsekretär Ban Ki-moon, den Vorfall in internationalen Gewässern von einer internationalen Expertenkommission untersuchen zu lassen, lehnte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ab. Er fügte hinzu, ohne die Blockade würde Gaza zu einem "iranischen Hafen". Eine Konfrontation zwischen israelischen und iranischen Kriegsschiffen vor der Küste von Gaza würde den schwelenden Konflikt zwischen beiden Staaten über das iranische Atomprogramm dramatisch eskalieren lassen. Iran stellt das Existenzrecht Israels infrage; Israel hat durchblicken lassen, die Produktion einer iranischen Atombombe notfalls militärisch verhindern zu wollen.

Die Revolutionsgarden oder Pasdaran sind neben der regulären Armee die zweite Säule der iranischen Streitkräfte und gelten als fanatisch. Nach Geheimdiensterkenntnissen umfassen sie rund 125 000 Mann samt Luftwaffe und Marinekräften. Letztere verfügen über Raketenschnellboote und Hochgeschwindigkeits-Raketenkatamarane.

Die Garde ist zugleich der größte Unternehmer Irans und in allen Wirtschaftszweigen tätig. Sie besitzt erhebliche politische Macht: 13 der 21 Ministerposten im Kabinett sind mit ehemaligen Pasdaran-Kommandeuren besetzt, auch Präsident Mahmud Ahmadinedschad war einer.

Die berüchtigte, etwa 5000 Mann starke Al-Quds-Brigade, die Terrorakte verübt und unter anderem die libanesische Hisbollah für den Kampf gegen Israel trainiert, ist Teil der Revolutionsgarden. "Mit aller Macht" würde die Garde Hilfskonvois für Gaza beschützen, erklärte Hodschatoleslam Shirazi.

Die israelische Marine reagiert weiterhin hart: Sie erschoss im Meer vor dem Gazastreifen vier Angehörige der palästinensischen Al-Aksa-Märtyrerbrigaden in Taucheranzügen, die offenbar für ein Attentat in Israel trainierten. Indessen will die Türkei den Druck auf Israel erhöhen. Außenminister Ahmet Davutoglu sagte am Rande einer Tagung asiatischer Staatschefs und Außenminister in Istanbul: "Israel hat keine Chance, vor der Untersuchungskommission wegzurennen. Wir erlauben niemandem, unsere Bürger zu töten."