Hinweise wahrscheinlich korrekt

Iran baut neue unterirdische Atomanlagen

Hamburg/New York. Sechs Monate nach der spektakulären Enthüllung einer bislang unbekannten Atomanlage im iranischen Ghom haben westliche Geheimdienste und Uno-Inspektoren Hinweise auf den Bau von zwei weiteren iranischen Nukleareinrichtungen.

Wie die "New York Times" berichtete, hatte der Chef der iranischen Atomenergieorganisation, Ali Akbar Salehi, in einem Interview mit der iranischen Studenten-Nachrichtenagentur erwähnt, dass Staatspräsident Mahmud Ahmadinedschad den Bau von zwei neuen Atomanlagen angeordnet habe. Diese Anlagen, so sagte Salehi, würden in Berge hineingebaut - offenbar um sie gegen Angriffe zu schützen. "So Gott will", habe der Atomenergie-Chef weiter gesagt, "beginnen wir mit der Konstruktion von zwei neuen Anreicherungsanlagen" mit dem iranischen neuen Jahr - das am 21. März anbrach.

Nach der Enthüllung der verborgenen Anlage in Ghom hatte sich Ahmadinedschad damit gebrüstet, zehn neue Anreicherungsanlagen errichten zu lassen. Diese Zahl war von Experten als reine Fantasie zurückgewiesen worden - das läge weit jenseits der iranischen Möglichkeiten. Kein Staat der Erde verfügt über zehn Anreicherungsanlagen. Doch nun erklärten Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, dass die Angaben von Salehi über zwei neue Anreicherungsanlagen vermutlich korrekt gewesen seien.

Israelische Geheimdienstquellen - Israel hatte auch die Anlage in Ghom entdeckt und damit Iran zur Enthüllung gezwungen - haben nach Angaben amerikanischer Regierungsbeamter Hinweise auf "ghomartige" neue Einrichtungen gefunden. So stellten kleine Fabriken rund um Teheran ständig neue Ausrüstung zur Uran-Anreicherung her. Doch diese Ausrüstung tauche in den bekannten Anlagen, die IAEA-Inspektoren regelmäßig besuchen - etwa in Natans oder in Ghom - nicht auf.

Wie die "New York Times" meldete, bestehe "erhöhter Verdacht", dass diese Ausrüstung in geheimen Lagerstätten gehortet werde, um sie später in neue Anlagen einzubauen. Die Fabriken stünden unter Beobachtung israelischer und westlicher Geheimdienste und seien von deren Agenten unterwandert. Sie berichteten, dass der Iran Probleme bei der Produktion von Zentrifugen habe.

Die geheimen Atomanlagen im Iran sind ein Kernelement der Neuauflage eines US-Geheimdienstberichts zum Iran aus dem Jahr 2007. Dieser Bericht soll in Kürze Präsident Barack Obama, dem Nationalen Sicherheitsrat in Washington sowie ausgewählten Kongressmitgliedern vorgelegt werden.