Nach dem Anschlag

Betroffenheit bei Spielern und Funktionären

"Die Nachricht ist erschütternd", sagte HSV-Vorstand Katja Kraus zum Anschlag auf die togolesische Nationalmannschaft. "Wir haben sofort versucht, mit Guy Demel und Jonathan Pitroipa Kontakt aufzunehmen. Bei Jonathan ist uns das über seinen Berater gelungen. Auch er ist betroffen, ihm geht es so weit aber gut. Guy haben wir persönlich noch nicht erreicht, aber wir haben von seinem Berater erfahren, dass auch bei ihm alles in Ordnung ist." Guy Demel nimmt für die Elfenbeinküste am Afrika-Cup teil, und Jonathan Pitroipa für Burkina Faso, heute sollen beide Länder gegeneinander spielen. Kraus versicherte, dass man beiden Spielern helfen würde, wenn sie aus Sicherheitsgründen abreisen wollten.

Zwanzig Spieler, die in Deutschland unter Vertrag stehen, sind derzeit in Angola. Formal sind den Klubs wegen der Abstellungspflicht der Fifa die Hände gebunden, doch bei weiteren Vorkommnissen würden die Vereine Konflikten nicht aus dem Weg gehen. So stellte Michael Zorc, Sportdirektor von Borussia Dortmund, klar, die Abstellungspflicht ignorieren zu wollen, wenn sich der ägyptische Stürmer Mohamed Zidan in Gefahr befände. "Wir würden auch eine Sperre in Kauf nehmen und ihn zurückholen, wenn er es will."

Der Anschlag von Angola sorgt angesichts der WM in Südafrika für Unsicherheit unter den deutschen Nationalspielern. "Das ist doch alles krank. Ich frage mich, wie die das mit der Sicherheit bei der WM handhaben wollen. Wir als Team werden sicherlich beschützt sein, aber was ist zum Beispiel mit den Familienangehörigen?", sagte René Adler der "Bild am Sonntag". Der Torhüter zitterte mit seinen Leverkusener Vereinskollegen um Assimiou Touré, der für die Togolesen beim Turnier spielen wollte, aber am Sonntag die Rückreise nach Deutschland antrat. "Wenn man so etwas hört, dann zuckt man zusammen und macht sich seine Gedanken", sagte Bastian Schweinsteiger vom FC Bayern München: "Wenn einer Fußballmannschaft so etwas passiert, dann ist das sehr traurig."

Scharfe Kritik übt auch Cord Jakobeit, Politik-Professor der Universität Hamburg und Afrika-Experte. "Die Anreise der togolesischen Spieler mit dem Bus war absolut unvernünftig. Und es war fahrlässig von den Behörden in Angola, dass sie die Mannschaft von Togo nur unzureichend über die politische Situation in Cabinda informiert haben." Die Situation in Angola lasse sich nicht mit der in Südafrika vergleichen. "In Südafrika gibt es zwar auch ein Sicherheitsproblem - das betrifft vor allem aber die hohe Kriminalität. Terrorismus und Separatismus wie in Angola gibt es im WM-Land nicht."