Nahost

Hamas stoppt Raketen-Angriffe

Hamburg/Jerusalem/Kairo. Gewalt, Gewaltverzicht und ein dramatischer Aufruf zu Verhandlungen - die Lage in Nahost war am Wochenende wieder von verwirrenden Signalen bestimmt. Zunächst griff die israelische Luftwaffe am Sonntag Ziele im Gazastreifen an und verletzte dabei mindestens sieben Menschen. Zwei Waffen-Werkstätten sowie drei Schmugglertunnel seien zerstört worden, erklärten die Streitkräfte. Es habe sich um eine Reaktion auf einen palästinensischen Raketenangriff vom Vortag gehandelt. Nach israelischen Angaben sind seit dem Ende des Gaza-Krieges Mitte Januar bereits wieder 270 Raketen in Israel eingeschlagen. Vor dem Waffengang waren es im Jahre 2008 noch rund 3300 gewesen.

Mehrere palästinensische Gruppen verständigten sich angesichts der fortgesetzten israelischen Angriffe mit der im Gazastreifen regierenden radikalislamischen Hamas auf eine vorläufige Einstellung der Raketenüberfälle auf israelische Ortschaften. Chader Habib, ein Sprecher der Kampforganisation Islamischer Dschihad, erklärte, es handle sich nicht um einen formellen Waffenstillstand. Hamas-Innenminister Fathi Hamas sagte, man wolle Israel nicht beschießen - es sei denn in Selbstverteidigung.

In Kairo griff der ägyptische Staatspräsident Husni Mubarak Israel ungewöhnlich scharf an. Bei einer Aussprache im Parlament warf er der israelischen Regierung unter Ministerpräsident Benjamin Netanjahu vor, "die Chancen auf einen Frieden zunichte zu machen". Mubarak forderte Israel auf, die Blockade des Gazastreifens aufzuheben. Er habe "genug von Ihrer Sturheit und Ihren Manipulationen", sagte der ägyptische Präsident und forderte: "Gehen Sie auf die Aufrufe zum Frieden ein." Bei einem Treffen mit Israels Staatspräsidenten Schimon Peres forderte Mubarak zudem einen vollständigen Baustopp in den Palästinensergebieten. Zur Frage einer möglichen künftigen palästinensischen Hauptstadt Ostjerusalem sagte Mubarak, dieses Thema betreffe nicht nur die Palästinenser, sondern die ganze muslimische Welt und müsse am Verhandlungstisch besprochen werden. Dort könnten die Differenzen überwunden werden. Falls nicht, könnte sich Israel alle Muslime der Welt zu Feinden machen, warnte Mubarak.

Der Leiter der palästinensischen Wasserverwaltung, Munsir Schiblak, warnte indessen, dass nur noch zehn Prozent des dortigen Trinkwassers genießbar seien, der Rest sei total versalzen. Die Situation sei kritisch. Israel unterbindet die Einfuhr von bestimmten Ersatzteilen für die Wasseraufbereitungsanlagen, weil sie zum Raketenbau eingesetzt würden.