Militär

Mehr britische Soldaten in Afghanistan als im Irak getötet

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Danica Kirka

In Großbritannien ist eine Debatte über den Afghanistan-Einsatz entbrannt. Angesichts der steigenden Zahl getöteter Soldaten werfen Kritiker der Regierung vor, die Streitkräfte seien für ihre schwierige Aufgabe nur unzulänglich ausgerüstet.

London. Das Verteidigungsministerium in London hatte mitgeteilt, binnen 24 Stunden seien in Afghanistan acht Angehörige der britischen Truppen umgekommen. Damit hat der Einsatz nun 184 britische Soldaten das Leben gekostet - mehr als der Irak-Krieg.

Premierminister Gordon Brown verteidigte am Wochenende die Afghanistan-Strategie seiner Regierung. Die Kommandeure vor Ort seien vom Erfolg ihrer Mission überzeugt, schrieb er in einem Brief an einen Parlamentsausschuss. Es gehe darum, die terroristischen Netzwerke in Afghanistan und Pakistan auszuschalten, die Regierungen beider Länder gegen die Taliban zu unterstützen, den Heroin-Handel zu bekämpfen und langfristig für Stabilität zu sorgen.

Ähnlich hatte sich zuvor Außenminister David Miliband geäußert. Es müsse verhindert werden, dass Afghanistan wieder ein "Brutkasten für den Terror" werde, der als Ausgangspunkt für Anschläge im Westen genutzt werden könne, sagte er der BBC.

Miliband betonte zugleich, es habe für die Regierung höchste Priorität, die Truppen angemessen auszustatten. Dagegen beklagte Oppositionsführer David Cameron, die in Afghanistan eingesetzten Soldaten verfügten nicht über genügend Hubschrauber. Dies sei ein Skandal.

Militärfachleute verweisen darauf, dass die größte Gefahr für die britischen Truppen von Bomben am Straßenrand ausgeht. Ein Truppentransport per Hubschrauber könnte das Risiko daher erheblich verringern.

Der bislang parteiübergreifende Konsens im Hinblick auf den Afghanistan-Einsatz bekommt Risse. Der Vorsitzende der Liberaldemokraten, Nick Clegg, schrieb im "Daily Telegraph", er frage sich, ob die britischen Truppen alle Mittel erhielten, die sie für ihre Aufgabe benötigen.

Die rund 8000 britischen Soldaten kämpfen derzeit in der südafghanischen Provinz Helmand gegen die Taliban - Seite an Seite mit mehreren Tausend US-Marineinfanteristen. US-Präsident Barack Obama verwies angesichts der Debatte in Großbritannien auf die Bedeutung des Einsatzes. Der Krieg sei notwendig, um zu verhindern, dass die Terroristen in Afghanistan und Pakistan einen sichereren Zufluchtsort finden, sagte Obama. Für die Europäer stehe mindestens genauso viel auf dem Spiel wie für die Amerikaner, wenn nicht sogar mehr.

Seit Beginn des Afghanistan-Einsatzes im September 2001 kamen dort bislang 657 US-Soldaten ums Leben, allein 106 in diesem Jahr. Die Zahl der getöteten britischen Soldaten liegt aktuell bei insgesamt 184 - fünf mehr als im Irak.

Wie die US-Truppen mitteilten, wurden bei Bombenanschlägen im Süden Afghanistans erneut vier US-Soldaten getötet. Außerdem erlag ein Soldat seinen Verletzungen. Bei einem Gefecht in der Provinz Urusgan kamen zwölf Taliban-Kämpfer ums Leben. Insgesamt sechs Polizisten wurden am Wochenende bei zwei Bombenanschlägen in den Provinzen Logar und Helmand getötet. In der Provinz Kunar kostete ein Schusswechsel zwischen Aufständischen und Soldaten eine Zivilperson das Leben. In Paktia wurden nach Angaben der Provinzregierung zwei Aufständische und ein Polizist bei einem Gefecht getötet.