Kommentar: G8-Gipfel in L'Aquila

Auferstanden aus Ruinen

Egbert Nießler

Wenn sich heute auf dem schwankenden Grund von L'Aquila die Großen der Welt treffen, ist vieles anders als bei vorhergehenden Konferenzen dieser Art.

Die Tagung findet nicht wie gewohnt in Luxusherbergen wie Heiligendamm, Schlössern wie Putins Anwesen bei St. Petersburg oder dem ursprünglich vorgesehenen Elite-Eiland La Maddalena vor Sardinien statt, wo sich sonst auch Gastgeber Silvio Berlusconi vom harten Regierungsgeschäft entspannt. Der medienbeherrschende Italiener hat das Erdbebengebiet als symbolischen Ort für den Neustart nach Krisen gewählt.

Auf diese Symbolik beschränkt sich allerdings auch der programmatische Einfallsreichtum des Gastgebers. Auf der Agenda der G8 findet sich ein Sammelsurium an Themen von der Klimarettung über die Problemstaaten Iran und Nordkorea, Malariahilfe für Afrika, schleppende WTO-Verhandlungen bis zu Menschenrechtsproblemen in China. Eine Vision oder Leitlinie für den Gipfel war aus dem Büro Berlusconi nicht zu vernehmen.

Bei den vergangenen G20-Gipfeln, die Bundeskanzlerin Merkel mittlerweile für sinnvoller hält als die elitäre G8-Runde mit Zaungästen, steckte noch der Schock der Finanzkrise tief in den Knochen der Staatschefs, sodass über eine neue Weltfinanzordnung nachgedacht wurde. Der Schreck scheint sich gelegt zu haben. Eine globale neue Finanzordnung, ja, eine neue supranationale Kontrollinstanz jenseits der Uno fordert in diesen Tagen allenfalls der Papst. Freilich auch ohne zu wissen, wie diese konkret aussehen soll.

Immerhin sind derzeit verstärkte Bauanstrengungen am Konferenzort zu beobachten. Wenn bis Freitag in L'Aquila schon nicht die Welt gerettet wird, gibt es so ja vielleicht wenigstens für die leidgeprüfte Abruzzenregion ein Auferstanden aus Ruinen - und für die G8 den Schritt zur G20.

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