Kenia: Vorwurf der "terroristischen Umtriebe"

Deutscher Musiker und Odinga-Berater Hermlin verhaftet

NAIROBI. Die kenianische Polizei hat am Flughafen der Hauptstadt Nairobi zum Freitag zwei Deutsche und eine Niederländerin unter dem Verdacht "terroristischer Umtriebe" festgenommen. Die drei hätten sich als Journalisten ausgegeben und sich "verdächtig verhalten", sagte Polizeisprecher Eric Kiraithe. Das Auswärtige Amt bestätigte, bei einem der Deutschen handle es sich um den Swing-Musiker Andrej Hermlin, Sohn des Schriftstellers Stephan Hermlin.

Die Hintergründe der Verhaftung blieben unklar. Bei den Festgenommenen seien Fotos von "wichtigen Einrichtungen" des Landes gefunden worden, teilte Kiraithe mit. Beim Auswärtigen Amt hieß es, die beiden Deutschen seien kurz vor ihrer geplanten Ausreise auf dem Flughafen Nairobi festgesetzt worden. Die Botschaft sei in Kontakt mit den örtlichen Behörden, um eine schnelle Freilassung zu erreichen.

Hermlin hatte dem Abendblatt Anfang Januar kurz vor seiner Abreise nach Kenia in einem Interview gesagt, dass er den kenianischen Oppositionsführer Raila Odinga im Wahl- und im Machtkampf gegen Präsident Mwai Kibaki unterstützt habe. Der mit einer Kenianerin verheiratete 42-Jährige hatte gesagt, er wolle vor Ort alles tun, um die Handlungen der Regierung öffentlich zu machen. Die Regierung unter Kibaki hatte die Präsidentenwahlen gefälscht und Proteste der Opposition gewaltsam niedergeknüppelt. 600 Menschen wurden getötet.

In diplomatischen Kreisen hieß es, Hermlin und der Fotograf Uwe Hauth hätten in Kenia an einem Artikel gearbeitet und eine Art journalistische Akkreditierung besessen. Ein Sprecher der kenianischen Oppositionsbewegung ODM sagte, die Niederländerin van Dissel habe an einer Dokumentation über Oppositionsführer Odinga gearbeitet.

Nach Angaben der Ehefrau Hermlins, Joyce Hermlin, hatte der Musiker seine Schwiegermutter in Nairobi im Krankenhaus besucht. Sie wisse aber nicht, was ihrem Mann vorgeworfen werde.

Bei neuen landesweiten Unruhen nach der umstrittenen Wiederwahl Kibakis sind wieder mindestens 13 Menschen getötet worden. In Vororten von Nairobi kam es zu Straßenkämpfen zwischen Demonstraten und Polizisten. Ein Bündnis von Bürgerrechtsgruppen forderte eine Neuauszählung der Stimmen der Präsidentenwahl.