Reise: Kanzlerin Merkel zum ersten Mal auf dem Subkontinent

Mit Indien mehr ins Geschäft kommen

Die Wirtschaft sieht noch Potenzial bei der wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Zusammenarbeit. Und es sollen mehr indische Studenten an deutsche Unis.

Neu-Delhi. Bundeskanzlerin Angela Merkel und ein Tross von 140 Begleitern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur wollen der Zusammenarbeit mit dem aufstrebenden 1,2-Milliarden-Volk in Südasien mehr Dynamik einhauchen. Dazu reiste die Kanzlerin gestern zum ersten Mal nach Neu-Delhi. Während ihres viertägigen Aufenthalts in Indien will sie auch die Wirtschaftsmetropole Bombay besuchen. Neben Wirtschaft und Wissenschaft zählen zu den politischen Themen der Klimaschutz, eine engere Kooperation der G-8 (die sieben wichtigsten Industrienationen und Russland), die Reform der Uno, die Welthandelsrunde und die Situation in Pakistan.

Heute trifft die Kanzlerin in Neu-Delhi mit Ministerpräsident Manmohan Singh zusammen. Bei ihrer Reise will Merkel neue Kontakte für die deutsche Wirtschaft knüpfen und die Beziehungen in bestimmten Forschungsfeldern sowie bei der wissenschaftlichen Ausbildung festigen: "Wir werden dafür sorgen, dass mehr indische Studenten in Deutschland ihre Ausbildung genießen." Derzeit studieren 4000 Inder in Deutschland, in den USA sind es dagegen 80 000. Die Kanzlerin wird auch die Entwicklungshilfe ansprechen, die sie angesichts des Wirtschaftsbooms in Indien auf den Prüfstand stellen will.

Die deutsche Wirtschaft sieht das Potenzial der Zusammenarbeit mit Indien bei Weitem nicht ausgeschöpft. Zwar werden bereits jetzt Waren im Wert von 10,5 Milliarden Euro im Jahr zwischen beiden Ländern ausgetauscht. Indien liegt in der Rangliste der wichtigsten Handelspartner Deutschlands trotzdem nur auf Platz 29. Merkel wird von einer 30-köpfigen Wirtschaftsdelegation begleitet, der zahlreiche Top-Manager wie Siemens-Chef Peter Löscher, der BASF-Vorstandsvorsitzende Jürgen Hambrecht und Bahn-Chef Hartmut Mehdorn angehören. Zudem sind Bildungsministerin Annette Schavan, Vertreter aus Wissenschaft und Forschung sowie Bundestagsabgeordnete und Vertreter von Hilfsorganisationen dabei.

Merkel reist auch als amtierende G8-Präsidentin nach Indien. Das Land zählt neben China, Brasilien, Mexiko und Südafrika zu den fünf Schwellenländern, mit denen die Gruppe der acht wichtigsten Industriestaaten enger kooperieren will.