Berlin. Hendrik Wüst hat sich schon oft neu erfunden. Ein Buch fragt jetzt, ob er auch Kanzlerformat hat. Die Antwort passt gut in die Zeit.

Ein Buch über Hendrik Wüst? Das muss man sich erst mal trauen. Nicht weil der Mann so außergewöhnlich wäre oder so schnell beleidigt oder so klagefreudig. Die Herausforderung liegt woanders: Es gibt schillernde Politiker wie Klaus Wowereit, brillante Köpfe wie Gregor Gysi oder politische Berserker wie Joschka Fischer. Aber es gibt eben auch Typen wie Hendrik Wüst, zu denen einem spontan kein funkelndes Attribut einfällt. Tobias Blasius und Moritz Küpper ist jetzt das Kunststück gelungen, eine glänzende Analyse über Wüst zu schreiben, die gerade deshalb so gelungen ist, weil sie erklärt, warum ausgerechnet dieser grundsolide Schwiegersohntyp aus dem Münsterland so weit gekommen ist – und möglicherweise noch viel weiter kommt.