Ukraine-Krieg

Russland probt Angriff: So ernst sind Putins Atomdrohungen

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Christian Kerl
Drei mögliche Weltkriegs-Szenarien durch Ukraine-Konflikt

Drei mögliche Weltkriegs-Szenarien durch Ukraine-Konflikt

Kommt der dritte Weltkrieg? Darüber sorgen sich viele Menschen. Nicht zuletzt, weil Putin eine Alarmbereitschaft von Atomwaffen beauftragt hatte.

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Mitten im Ukraine-Krieg probt die russische Armee einen Nuklearwaffen-Angriff. Auch das Fernsehen simuliert einen Angriff auf Europa.

Brüssel/Berlin. Es ist wohl eine gezielte Drohgebärde Russlands an die Adresse des Westens: Mitten im Ukraine-Krieg hat die russische Armee auf ihrem westlichen Vorposten Kaliningrad einen Atomangriff geübt. Rund hundert Soldaten hätten den elektronischen Start mobiler Raketensysteme vom Typ Iskander mit Atomwaffen simuliert, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Geübt worden seien Angriffe auf militärische Ziele eines imaginären Feindes und die Reaktion auf einen Gegenschlag.

Unter normalen Umständen wäre eine solche Übung nicht spektakulär. Sowohl Russland als auch die USA spielen solche Nuklear-Einsätze regelmäßig durch, einmal jährlich auch die Nato: Erst im vergangenen Oktober trainierten 14 Nato-Staaten die Verteidigung mit amerikanischen Atombomben, die in Deutschland und anderen Ländern Europas lagern. Lesen Sie auch: Russisches Fernsehen simuliert Atomangriff auf Europa

Russland: Atom-Angriffe auf den Westen werden im Fernsehen simuliert

Doch im Ukraine-Krieg ist die Übung eine klare Botschaft an den Westen: In Kaliningrad hat Russland in den letzten Jahren moderne Mittelstreckenraketen und entsprechende Atomsprengköpfe stationiert, die in wenigen Minuten Ziele in Deutschland und Westeuropa erreichen können. Das hat schon vor dem Krieg Sorge in der Nato ausgelöst.

Das Manöver reiht sich nun offenbar ein in eine Serie von russischen Versuchen, Angst zu schüren: Präsident Wladimir Putin hat wiederholt gewarnt, eine Einmischung des Westens in den Ukraine-Krieg könne „blitzschnell“ eine historisch einmalige Reaktion auslösen, also einen Atomkrieg.

Im russischen Fernsehen wird beinahe täglich das Atombomben-Arsenal vorgeführt und über nukleare Angriffe auf westliche Staaten gesprochen, sogar mit präzisen Szenarien: Von Kaliningrad aus wäre die Bombe demnach in 106 Sekunden in Berlin, erfuhr das russische TV-Publikum.

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Nu­kleareinsatz: Putins Versuch der Einschüchterung des Westens

Nach innen bereitet Putin mit dieser Kampagne womöglich eine Mobilmachung für den Ukraine-Krieg vor. Richtung Westen aber geht es offenkundig um Einschüchterung, um außenstehende Akteure vor einer Einmischung im Ukraine-Krieg abzuschrecken, wie es in einer neuen Analyse des Berliner Thinktanks Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) heißt.

Fazit: „Solange die Nato nicht direkt in der Ukraine interveniert und sich das russische Regime nicht existenziell bedroht sieht, bleibt ein beabsichtigter oder unbeabsichtigter Nu­kleareinsatz extrem unwahrscheinlich.“

Geheimdienste sehen keine Anzeichen für einen Nuklearangriff

Tatsächlich scheinen die Nato-Staaten entschlossen, die rote Linie direkter Kriegsbeteiligung nicht zu überschreiten. Umgekehrt vermeidet auch Putin eine offene Provokation der Nato-Staaten. Das Risiko eines Atomwaffeneinsatzes gegen ein Nato-Mitglied wäre für ihn immens – das Bündnis wäre auf Gegenschläge vorbereitet, der nächste Weltkrieg wäre kaum vermeidbar.

Westliche Geheimdienste beobachten jede Bewegung um die russischen Atomwaffendepots: Bislang, heißt es, gebe es keinerlei Anzeichen, dass Putin tatsächlich einen Nuklearangriff vorbereiten könnte. Die Atomdrohungen, sagt SWP-Sicherheitsexpertin Claudia Major, sollten nur „die westlichen Gesellschaften verängstigen und spalten“.

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Dieser Artikel erschien zuerst auf waz.de.

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