Krieg

Ukraine: Nato besorgt wegen rätselhafter Drohnenabstürze

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Christian Kerl
Högl: Nato darf nicht in Ukraine-Krieg hineingezogen werden

Högl: Nato darf nicht in Ukraine-Krieg hineingezogen werden

Angesichts des russischen Angriffskriegs in der Ukraine hat die Wehrbeauftragte des Bundestags, Eva Högl (SPD), betont, dass alles daran gesetzt werden müsse, dass "die Nato nicht involviert wird in diesen Krieg".

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Wieder ein Drohnenabsturz auf Nato-Gebiet, diesmal in Rumänien. Eine russische Warnung an den Westen? Die Nato verstärkt die Flugabwehr.

Brüssel. 
  • In Rumänien und Kroatien sind mehrere Drohnen russischer Bauart abgestürzt
  • Die Nato ist besorgt – will die Vorfälle aber nicht als Provokation Russlands im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg werten

Ein erneuter Drohnenabsturz auf Nato-Gebiet im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg alarmiert die Nordatlantische Allianz. Im nördlichen Rumänien etwa 60 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt ist auf einem Feld eine unbewaffnete Aufklärungsdrohne russischer Bauart entdeckt worden – nur wenige Tage, nachdem mitten in der kroatischen Hauptstadt Zagreb eine 6 Tonnen schwere Drohne vom sowjetischen Typ Tupolew T-141 abgestürzt war.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sagte in Brüssel, beide Drohnen seien von der Nato-Luftüberwachung frühzeitig erfasst und auf ihrer Flugstrecke verfolgt worden. Die Allianz werde jetzt ihre Luftraumüberwachung noch weiter steigern und verstärke die Abwehr mit Patriot-Raketensystemen an der Nato-Ostgrenze. Damit werde sichergestellt, dass auf derartige Vorfälle ausreichend reagiert werden könne. „Wir müssen extrem wachsam sein“, sagte Stoltenberg.

Doch ist die Allianz bemüht, die Vorfälle nicht als direkte Konfrontation mit Russland einzustufen und eine Eskalation so zu verhindern. Denn aus solchen Zwischenfällen könnte ungewollt ein militärischer Konflikt zwischen Nato und Russland entstehen – und am Ende womöglich ein Weltkrieg.

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Rumänien: Drohnenflug könnte russische Warnung gewesen sein

Denn die Hintergründe beider Abstürze sind weiter unklar. Bei der am Sonntag im rumänischen Kreis Bistritz entdeckten Drohne handelt es sich um eine unbewaffnete Orlan-10-Überwachungs- und Aufklärungsdrohne, die Russland bereits im Syrien-Krieg und im Konflikt in der Ostukraine eingesetzt hatte. Das relativ kleine Fluggerät, das keine Identifizierungsnummer trug, muss aber wegen seiner begrenzten Reichweite von ukrainischem Territorium aus gestartet worden sein.

Der rumänische Verteidigungsminister Vasile Dincu sagte, möglicherweise sei der Vorfall Teil der russischen Propaganda-Offensive, Nachbarländer von einer Unterstützung der Ukraine abzuschrecken. Als denkbar gilt in Nato-Kreisen, dass in diesem Fall die russischen Streitkräfte die Reaktion der Nato auf ein Eindringen in den Luftraum testen wollten.

Der Drohnen-Absturz in Kroatien ist rätselhafter: In Zagreb war die Drohne nur 200 Meter von einem Wohngebiet entfernt niedergegangen, etwa 40 Autos wurden beschädigt.

Der Fall hatte vergangene Woche zu heftigen Protesten der kroatischen Regierung geführt. Premier Andrej Plenkovic kritisierte die Reaktion der Nato auf die „sehr klare Bedrohung“ als unzureichend und fragte, wieso die Drohne eine Stunde lang unbehelligt durch die Nato-Staaten Ungarn, Rumänien und Kroatien fliegen konnte.

Plenkovic forderte eine bessere Kooperation innerhalb des Bündnisses. Stoltenberg sagte, er habe inzwischen mit Plenkovic gesprochen. Gesicherte Informationen über den Vorfall würden in Kürze vorliegen. Klar ist, dass diese Drohne in der Ukraine gestartet wurde und schließlich wegen Treibstoffmangels abstürzte.

Nato-Generalsekretär: In Kroatien abgestürzte Drohne war unbewaffnet

Der Typ Tupolew Tu-141 wurde von der Sowjetunion entwickelt und eingesetzt, offiziell ist die Drohne von der russischen Armee ausgemustert worden. Aber auch die ukrainischen Streitkräfte besitzen Fluggeräte dieses Modells, weshalb Plenkovic sagte, die Drohne könne sowohl in russischem als auch ukrainischem Besitz gewesen sein; in Brüssel wird nicht ausgeschlossen, dass es sich um einen Irrflug in Verantwortung der ukrainischen Armee gehandelt haben könnte.

Erste Berichte, die Drohne sei mit Sprengstoff ausgerüstet gewesen, wies Stoltenberg mit dem Hinweis zurück, es habe sich um eine unbewaffnete Drohne gehandelt. Nach Angaben der ungarischen Regierung wurde die Drohne bereits im ukrainischen Luftraum entdeckt, aber als ungefährlich eingestuft, weshalb sie nicht abgeschossen wurde.

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Dieser Artikel erschien zuerst auf waz.de.

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