Kommentar

Ein kleines Lob von Merkel für Laschet

Laschet und Merkel auf Zollverein: Begrüßung auf Coronaart.

Laschet und Merkel auf Zollverein: Begrüßung auf Coronaart.

Foto: Federico Gambarini / AFP

Armin Laschet braucht Hilfe von Angela Merkel, wenn er CDU-Chef und Kanzlerkandidat werden will. Die Kanzlerin tut ihm den Gefallen.

Berlin. Wäre Angela Merkel nicht ein so ernsthafter Mensch, würde sie in diesen Tagen wohl immer wieder laut kichern. Denn es nimmt absurde Züge an, wie Politik und Medien jeden Halbsatz und jede Geste der Kanzlerin verfolgen und abzuleiten versuchen, wie sie sich im parteiinternen Kampf um ihre Nachfolger positioniert.

Alle Querschüsse gegen Merkel haben aufgehört, und selbst die größten politischen Raufbolde lechzen mittlerweile nach lobender Erwähnung durch die Bundeskanzlerin. Sie hat aber keine Lust, sich festzulegen. Das ist Taktik, aber auch innere Überzeugung. Wer besonders gut für Deutschland ist, steht für Angela Merkel nämlich schon lange fest: Es ist Angela Merkel.

Der Rest kann höchstenfalls zeitweise in ihrem Licht stehen. Bei vielen Parteifreunden hat sie dieses Licht jäh ausgeknipst. Um die Noch-Parteichefin Kramp-Karrenbauer ist es schon so dunkel, dass es ihr schwerfällt, den Ausgang aus dem Konrad-Adenauer-Haus zu finden.

Für Armin Laschet läuft es gerade nicht gut

Armin Laschet weiß, dass er im schweren Kampf um Parteiführung und Kanzlerkandidatur Merkels Gunst braucht. Es läuft nicht gut in seiner Kampagne, und die schlechten Zustimmungswerte sind eine große Enttäuschung für den Aachener. Aber Laschet ist schlau genug, um Maß zu halten.

Es war richtig, den Besuch der Kanzlerin in Nordrhein-Westfalen nicht zu einem barocken Staatsakt zu machen. Anders als Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, der die Kanzlerin empfing wie Franz Joseph I. die junge Sissi, zog Laschet die Malocher-Karte.

Arbeitsbesuch auf Zollverein statt Audienz wie bei Franz Joseph I.

Arbeitsbesuch statt Audienz. Zeche Zollverein statt Schloss Herrenchiemsee. Kumpel statt Kaiser war die Botschaft ans Wahlvolk. Das war passend – gerade in Corona-Zeiten. Die Kanzlerin dankte es mit verhaltenem Lob. Laschets „Rüstzeug“ habe Gewicht, seine Maskenpflicht sei richtig. Das ist kein Ritterschlag. Ob das für Armin Laschets Positionierung reicht, wird man sehen.

Immerhin bekam Laschet mehr interpretierbare Zuwendung als der Schattenkandidat aus Bayern. Trotz Schlossfestspielen, Kutschfahrt und Chiemsee-Dampfer war für Söder vor wenigen Wochen nicht mehr als das Prädikat „guter Ministerpräsident“ zu holen. Echte Begeisterung klingt anders.

Die Corona-Pandemie interessiert Angela Merkel zu Recht mehr als das Buhlen ihrer potenziellen Nachfolger. Die Kanzlerin sieht die große Chance, zum Finale ihrer Amtszeit mit einer erfolgreichen Pandemie-Politik in die Geschichtsbücher einzugehen.

Merkel will nur noch in Ruhe zu Ende regieren

Wer ihre Unterstützung noch will, sorgt am besten dafür, dass die Kanzlerin in Ruhe zu Ende regieren kann und dass das „Infektionsgeschehen“ beherrschbar bleibt. In letzterer Frage hatte Markus Söder die Nase vorne, das ist seit den gravierenden Testpannen vorbei.

Das Rennen der nicht erklärten Kanzlerkandidaten ist wieder offener, das ist die gute Nachricht für Armin Laschet. Und wenn Angela Merkel sich doch noch einmischt, kann das spielentscheidend werden. Denn zum Ende ihrer Amtszeit ist die Kanzlerin auf dem Höhepunkt ihres internationalen Renommees.

Friedrich Merz nörgelt auch nicht mehr über Merkel

Viele, die Angela Merkel vor Kurzem noch heftig kritisierten, vertrauen ihr wieder. Keiner der Aspiranten aus der Union wird sich jetzt noch auf ihre Kosten profilieren.

Sogar Friedrich Merz hat gemerkt, dass zu viel Genörgel an Merkel schnell nach hinten losgeht. Die Bewerber werden sich einen harten, eifersüchtigen Kampf um die Nachfolge liefern. Die Kanzlerin aber schwebt bereits über diesen irdischen Gefechten. Ausgerechnet eine Pandemie hat sie auf den letzten Metern ihrer Amtszeit immun gegen den Parteifeind von innen gemacht.