Tierschutz

Schweine sollen in ihren Ställen mehr Platz bekommen

Das Ideal: Eine Sau mit ihren Jungen im Zoo. Die Realität in den Ställen von Schweinebauern sieht leider ganz anders aus.

Das Ideal: Eine Sau mit ihren Jungen im Zoo. Die Realität in den Ställen von Schweinebauern sieht leider ganz anders aus.

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Wo bleibt der Tierschutz? Seit Jahren werden Säue rechtswidrig in Kastenständen gehalten. Der Bundesrat will für mehr Platz sorgen.

Berlin. Schweine müssen viel ertragen. Schon bei der Aufzucht stehen die Sauen in engen Gitterboxen, umgeben von Eisenstangen. Sie können sich dort weder umdrehen noch ihre Gliedmaßen ausstrecken. Diese Kastenstand-Haltung ist nicht nur aus Sicht von Tierschützern eine Quälerei, auch das Bundesverwaltungsgericht hatte diese Praxis schon 2016 als illegal verurteilt. In Schweden und Großbritannien ist diese Art der Tierhaltung bereits verboten.

Aufgrund des Gerichtsurteils muss auch die Bundesregierung die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung ändern. Wie Schweine in Zukunft gehalten werden sollen, darüber will am Freitag der Bundesrat entscheiden. Zur Abstimmung steht ein Kompromiss zwischen Tierschutz und Landwirtschaft.

Tierhaltung: Bundesrat will Verhältnisse in den Ställen verbessern

So soll die Kastenhaltung im Abferkelbereich, wo die Sauen ihren Nachwuchs werfen, künftig höchstens fünf statt bisher 35 Tage betragen, im Deckzentrum, wo sie künstlich besamt werden, sollen nur noch acht Tage statt vier Wochen erlaubt sein.

Zudem sollen die Kästen künftig mindestens 2,20 Meter lang und 65 bis 85 Zentimeter breit sein, damit die Schweine genügend Platz zum Aufstehen, Hinlegen und Ausstrecken haben. Die Abferkelbucht soll 6,5 Quadratmeter groß sein. Bei den Bauern geht es vor allem darum, möglichst kostengünstig zu produzieren, um konkurrenzfähig zu bleiben und Lebensmittel günstig anzubieten.

Tierschützer kritisieren zu lange Übergangsfristen

Während Tierschützer die Kastenhaltung grundsätzlich ablehnen und mehr Freilauf fordern, steht auch die lange Übergangsfrist für die Umstellung in der Kritik. So sollen Schweinebauern bis zu 15 Jahre Zeit bekommen, ihre Ställe umzurüsten.

Und selbst die Grünen, die in vielen Landesregierungen sitzen, sind offenbar bereit, eine achtjährige Übergangsfrist zu tolerieren, wie sie von Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein vorgeschlagen wird. Bei den Bauern geht es vor allem darum, möglichst kostengünstig zu produzieren, um konkurrenzfähig zu bleiben und Lebensmittel günstig anzubieten. Lesen Sie auch:

Verbraucherorganisation Foodwatch kritisiert die Grünen scharf

Für die Verbraucherorganisation Foodwatch ist die Haltung der Grünen ein Skandal: „Wer den Schutz von Umwelt, Menschen und Tieren programmatisch so hoch hängt wie die Grünen, kann und darf Regelungen nicht zustimmen, die es erlauben, wehrlose Tiere für viele weitere Jahre in enge Zwangskorsetts aus Eisenstangen zu sperren“, kritisiert Foodwatch-Strategiedirektor Matthias Wolfschmidt.

„Das ist nicht akzeptabel.“ Die Landesregierungen mit grüner Beteiligung hätten eine absolute Mehrheit im Bundesrat und könnten deshalb die Pläne stoppen, so die Forderung. Auch interessant: Tierwohl-Label – Immer noch viel Billigfleisch bei Aldi. Lidl und Co.

Bauernverband beziffert Umbaukosten auf mehr als vier Milliarden Euro

Der Bauernverband sieht unterdessen durch die mögliche Neuregelung vor allem die Existenz von rund 4000 bis 5000 kleineren Schweinehaltern in Gefahr, da alle Bauern ihre Ställe für die neue Tierhaltung umbauen müssten.

Pro Tier koste die Umrüstung rund 2000 Euro – bei rund 2,6 Millionen Schweinen in Deutschland sind dies mehr als vier Milliarden Euro Investitionen, so der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbands, Bernhard Krüsken. Bundesweit gibt es rund 7000 Schweinehalter mit durchschnittlich 200 bis 250 Tieren.