Coronavirus

Trump verärgert EU-Spitzen mit Einreisesperre für Europäer

USA schließen ihre Grenzen für aus Europa kommende Reisende

Die USA verhängen wegen des Coronavirus für 30 Tage ein allgemeines Einreiseverbot für Menschen, die aus Europa in die Vereinigten Staaten reisen wollen. Das Einreiseverbot soll am Freitag um Mitternacht (Ortszeit) in Kraft treten, wie Trump in einer Fernsehansprache ankündigte.

Beschreibung anzeigen

Die USA greifen in der Corona-Krise zu drastischen Abschottungs-Maßnahmen. Was hinter Trumps Einreiseverbot steckt.

Washington. 
  • Weltweit steigt die Zahl der Infektionen mit dem Coronavirus – auch in den USA
  • Zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie ergreifen die USA drastische Maßnahmen und verhängen ein 30-tägiges Einreiseverbot für Europäer
  • Er warf den EU-Staaten vor, nicht rasch genug auf die Ausbreitung des neuartigen Erregers reagiert zu haben
  • EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident Charles Michel reagierten verärgert
  • Laut Trump ist Großbritannien nicht von dem Einreiseverbot betroffen. Warum dies so ist, begründete er nicht. Auch in Großbritannien hatte sich das Coronavirus zuletzt ausgebreitet

Zielscheibe Europa: Nach massiver Kritik an seinem Krisen-Management rund um das Coronavirus greift US-Präsident Donald Trump zu drastischen Abschottungs-Maßnahmen. Ab Freitagnacht (Samstag, 5 Uhr MEZ) gilt für Bürger aus Europa bis Ostermontag ein 30-tägiges Einreiseverbot in die USA. Zur Einordnung: Allein aus Deutschland starteten 2019 rund 5,6 Millionen Menschen per Flugzeug nach Amerika.

Ausgenommen von der Regel, die Trump am Mittwochabend bei einer zehnminütigen TV-Ansprache im Weißen Haus verkündete, soll Großbritannien sein. Eine Begründung nannte Trump nicht. Auch Amerikaner und deren Familienangehörige, die einen Wohnsitz in den Vereinigten Staaten haben, sind von dem Verbot nicht betroffen. Sie müssen laut Heimatschutzministerium über ausgewählte Flughäfen einreisen und sich Tests unterziehen.

Der Präsident begründete den Schritt mit einem viel zu zögerlichen Umgang europäischer Stellen mit einem „ausländischen Virus”.

Coronavirus: US-Einreiseverbot betrifft potenziell Millionen Europäer

Betroffen sind nach jetzigem Stand potenziell Millionen Reisende aus dem kompletten Schengen-Raum: Österreich, Belgien, Tschechische Republik, Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Ungarn, Island, Italien, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Norwegen, Polen, Portugal, Slowakei, Slowenien, Spanien, Schweden und Schweiz. Lesen Sie hier: Coronavirus und Urlaub – Das müssen Sie jetzt beachten.

Anders als die USA habe die Europäische Union nicht frühzeitig Einreisen aus China gestoppt, erklärte der Präsident mit vorwurfsvollem Ton. Trump hatte die Volksrepublik bereits Ende Januar als Ausgangspunkt des Coronavirus Sars-CoV-2 identifiziert und Reisenden, die in den 14 Tagen davor in China waren, die Einreise in die Vereinigten Staaten verwehren lassen. Ende Februar folgte eine vergleichbare Anordnung für Reisende aus dem Iran.

Die Spitzen der EU haben Trumps Entscheidung scharf kritisiert. In einer gemeinsamen Stellungnahme erklärten EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident Charles Michel in Brüssel, die Europäische Union „missbilligt“, dass die USA das Reiseverbot einseitig und ohne Rücksprache getroffen hätten. „Das Coronavirus ist eine globale Krise, die nicht auf irgendeinen Kontinent beschränkt ist und eher Zusammenarbeit erfordert als einseitige Aktion“, betonten von der Leyen und Michel.

Die Europäische Union ergreife strenge Maßnahmen, um die Verbreitung des Virus zu begrenzen, fügten beide offenbar mit Blick auf Kritik des US-Präsidenten hinzu. Trumps Entscheidung Trumps hatte die EU-Spitzen völlig unvorbereitet getroffen.

Coronavirus: Trump schiebt Infektionen in den USA Europäern in die Schuhe

Die in den USA aufgetretenen Infektionen schiebt Trump – ohne Belege dafür vorzulegen – Reisenden aus Europa in die Schuhe. Womit vor allem Italien gemeint sein dürfte, wie inoffiziell aus Regierungskreisen verlautete. Dort wurden bisher nach Statistiken der Johns-Hopkins-Universität rund 12.500 Infektionen und rund 830 Todesopfer registriert. Die Regierung in Rom hatte zuletzt drastische Beschränkungen der Reise- und Versammlungsfreiheit angeordnet, die sämtliche 60 Millionen Einwohner betreffen.

Trumps Vize-Heimatschutzminister Ken Cuccinelli hatte im Kongress darauf hingewiesen, dass Europa wegen der grenzüberschreitenden Bewegungsfreiheit im Schengen-Raum ein großes Problem darstelle. Reisende, die den Virus haben, könnten ohne einen Reisebann nicht von Amerika ferngehalten werden.

Trump lobt sich in Ansprache für Coronavirus-Maßnahmen

Trump hielt sich und seiner Regierung erneut zugute, dass nur die von ihm ergriffenen Schutzmaßnahmen gegen China dafür gesorgt hätten, dass die Zahl von Erkrankungen (1200) und Toten (38) in den USA bisher vergleichsweise gering ist. Weltweit sind über 126.000 Menschen infiziert, über 4600 starben.

Dass die Dunkelziffer in den USA nach Experten-Angaben entschieden höher liegen muss, weil die Regierung in Washington sehr spät mit Tests angefangen hat (bis heute erst 11.000 Untersuchungen bei 330 Millionen Einwohnern), erwähnte Trump nicht.

Coronavirus in den USA: Experte nennt erschreckende Zahlen

Dabei sind die Zahlen, die Dr. Brian Monahan, der diensthabende Arzt im Kongress, Abgeordneten beider Parteien in dieser Woche mitteilte, erschreckend. Danach werden sich voraussichtlich zwischen 70 Millionen und 150 Millionen Amerikaner mit dem Virus anstecken. Je kürzer die Zeitspanne, in der dies geschieht, desto schneller wäre das US-Gesundheitssystem am Ende, prophezeien Seuchen-Experten der Harvard-Universität, da maximal 300.000 Krankenhausbetten für schwere Erkrankungszustände zur Verfügung stünden.

Die Dramatik der Situation, die Trump in seiner Rede ausblendete („Das Virus hat gegen uns keine Chance – Keine Nation ist besser vorbereitet und widerstandsfähiger als Amerika”) hatte zuvor der Chef des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten unterstrichen. Dr. Anthony Fauci, der in den vergangenen Wochen Trumps Corona-Analysen („Wir haben alles unter Kontrolle”) mehrfach öffentlich widersprochen hatte, sagte bei einer Anhörung im Parlament, das Virus werde sich in Amerika weiter ausbreiten. „Unterm Strich wird es schlimmer werden.”

Coronavirus-Pandemie – Mehr zum Thema:

Coronavirus-Folgen dringen immer tiefer in den Alltag der Amerikaner ein

Zusätzlich aufgeladen wurde die Debatte in den USA durch eine Reihe von Meldungen, die das Coronavirus-Thema immer näher in den Alltag der Amerikaner eindringen lassen:

  • Im Westküsten-Bundesstaat Washington, wo 24 Tote zu beklagen sind, hat Gouverneur Jay Inslee öffentliche Veranstaltungen mit mehr als 250 Teilnehmern bis auf weiteres verbieten lassen. So soll die Übertragungsrate der Erkrankung verlangsamt werden
  • Boston und New York haben ihre für den kommenden Sonntag geplanten Paraden zum irischen Nationalfeiertag „St. Patricks Day” ab; Veranstaltungen, zu denen sonst Millionen kommen – und Millionen umsetzen
  • Der bekannte Schauspieler und Oscar-Preisträger Tom Hanks berichtete, dass er und seine Ehefrau Rita Wilson (beide 63), mit dem Coronavirus infiziert sind.
  • Die Basketball-Profi-Liga NBA gab bekannt, dass die Saison unterbrochen wird, nachdem ein Spieler von Utah Jazz positiv auf Coronavirus getestet worden war.
  • Dutzende Top-Universitäten und Schulen in vielen Bundesstaaten haben entweder geschlossen oder schalten auf Online-Vorlesungen um
  • Präsident Trump hat auf Anraten seiner Experten geplante Wahlkampfveranstaltungen mit tausenden Teilnehmern in Colorado und Nevada abgesagt. Zuvor waren die demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden und Bernie Sanders ähnlich verfahren

Trump kündigte an, dass Bürger und Unternehmen in den USA von den finanziellen Folgen der Corona-Krise entlastet werden sollen. Mit 50 Milliarden Dollar sollen kleine Firmen mit Darlehen alimentiert werden. Durch das Verschieben des traditionellen Steuerzahlerdatums am 15. April sollen dem Wirtschaftskreislauf weitere 200 Milliarden Dollar erhalten bleiben.

Arbeiter und Angestellte, die erkrankt sind, erkrankte Familien-Mitglieder betreuen oder sich in Quarantäne befinden, dürfen mit staatlichen Hilfen rechnen. Details nannte Trump nicht, sagte aber trotz massiver Verluste an den Börsen: „Das ist keine finanzielle Krise. Das ist nur ein vorübergehender Augenblick, den wir als Nation und als Welt überwinden werden.”