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Sigmar Gabriel: So kritisierte er früher die Deutsche Bank

Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel ist ins Grübeln gekommen – wegen der Kritik an seinem Wechsel in die Wirtschaft. Künftig wird er Aufsichtsrat der Deutschen Bank.

Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel ist ins Grübeln gekommen – wegen der Kritik an seinem Wechsel in die Wirtschaft. Künftig wird er Aufsichtsrat der Deutschen Bank.

Foto: Christian Charisius / dpa

Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel verteidigt in einem Interview seinen Wechsel zur Deutschen Bank. Dabei kritisierte er die Bank früher hart.

Berlin.  Sigmar Gabriel versteht die Aufregung nicht. „Schlimm.“ Dass sofort der Generalverdacht entstehe, er würde seine Seele verkaufen, nur weil er eine Aufgabe in der Wirtschaft übernehme – der frühere SPD-Chef kann darüber nur den Kopf schütteln.

Seit bekannt wurde, dass der 60-Jährige Aufsichtsrat der Deutschen Bank werden soll, reißen Häme und Kritik nicht ab. In der „Bild am Sonntag“ setzte sich Gabriel zur Wehr und versprach: Er werde auch in Zukunft „nicht anders denken und handeln als vorher“ – die Geschichte eines Ewig-Missverstandenen.

Sigmar Gabriel: Während der Finanzkrise war er einer der schärfsten Bankenkritiker

Ausgerechnet Gabriel und ausgerechnet die Bank, „die das Spekulantentum zum Geschäftsmodell gemacht hat“, wie er sie einst kritisiert hatte. Eine „Versprechungsindustrie zulasten der Allgemeinheit“, nannte er sie. Das ist allerdings schon wieder acht Jahre her. Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern?

Gabriel begründet seinen neuen Job nun damit, dass das Kreditinstitut vom hochriskanten Investmenthandel „zum soliden, fast schon langweiligen Bankgeschäft“ zurückgekehrt sei. Nach seinem Verständnis ist er sich selbst treu geblieben. Und überhaupt: „Ich war nicht Kritiker ‚der Banken‘, sondern der Finanzmarktspekulationen und der unfassbaren Gier, die es gegeben hat“.

Jobwechsel zur Deutschen Bank: Sigmar Gabriel ist mir sich im Reinen

Da ist zum einen die Sache mit dem Geld. Wenn es ihm nur darum gehen würde, sagt er jetzt, „hätte ich vor ein paar Wochen das Angebot annehmen müssen, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie zu werden. Das wäre ein Vielfaches dessen gewesen, was ein normales Aufsichtsratsmitglied der Deutschen Bank erhält“.

Die feste Vergütung beträgt schätzungsweise 100.000 Euro im Jahr, mit extra Extra-Geldern, je nach Aufgabe, können noch einmal 50.000 und 200 000 Euro hinzukommen.

Aber wo liegt nun das Problem? Da ist zum anderen die Sache mit den Vorschriften. Nach dem Gesetz müssen sich Regierungsmitglieder 18 Monate lang nach ihren Ausscheiden jede wirtschaftliche Tätigkeit genehmigen lassen. In Gabriels Fall lief die „Karenzzeit“ im September 2019 ab.

Kurz danach klopfe auch schon der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Paul Achleitner, beim früheren Wirtschafts- und Außenminister an, erzählt Gabriel. „Wenn wir alle diese Regeln einhalten und dann immer noch dafür kritisiert werden, dass wir nicht auf der faulen Haut liegen und Pensionen beziehen, dann fehlt mir dafür jedes Verständnis“, sagte Gabriel der „Bild am Sonntag“.

So kritisieren Politiker Gabriels Wechsel zur Deutschen Bank

Der AfD-Vorsitzende Tino Chrupalla kommentierte Gabriels neue Funktion auf Twitter: „Erst hat er die SPD heruntergewirtschaftet, jetzt macht er sich über die marode #DeutscheBank her.“ Linken-Chef Bernd Riexinger sagte unserer Redaktion, „hier bestehen knallharte Interessenkonflikte“. Dass Gabriel ausgerechnet zur Deutschen Bank gehe, sei „wirklich schamlos. Mit solchen Entscheidungen habe die SPD mehr als ein Imageproblem.

Hintergrund:

Gabriel fragt im Interview, was Politiker wie er eigentlich machen sollen, wenn sie ihre Laufbahn beendet haben. „Sie sollen keine vorzeitigen Pensionen beziehen, sie sollen nicht zu Lobbyisten werden und eigentlich sollen sie auch nicht in die Wirtschaft gehen. Was denn dann?“

Bei der Deutschen Bank wird er einige alte Bekannte wieder treffen, zum Beispiel den früheren Verdi-Chef Frank Bsirske, der im Aufsichtsrat die Arbeitnehmer vertritt. Bsirske gehörte denn auch zu den ersten, die Gabriels neues Engagement als „sinnvolle Ergänzung“ begrüßten.