Forschung

Genmanipulierte Babys: Forscher aus China muss ins Gefängnis

Der chinesische Wissenschaftler He Jiankui muss seine Experimente stoppen.

Der chinesische Wissenschaftler He Jiankui muss seine Experimente stoppen.

Foto: Mark Schiefelbein / dpa

He Jiankui ist wegen Genmanipulation bei Babys zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Vor einem Jahr hatte er für Aufsehen gesorgt.

Peking. Vor einem Jahr sorgte der chinesische Forscher He Jiankui mit der Behauptung er habe genmanipulierte Zwillinge auf die Welt gebracht, für Schlagzeilen. Jetzt wurde He Jiankui in der südchinesischen Stadt Shenzhen zu drei Jahren Haft und einer Geldstrafe in Höhe von drei Millionen Yuan (etwa 380.000 Euro) verurteilt.

Das berichtet Chinas staatliche Nachrichtenagentur Xinhua am Montag. He Jiankui hatte im November 2018 die Geburt der Zwillingsmädchen „Lulu“ und „Nana“ auf der Video-Plattform „Youtube“ bekanntgegeben.

Zudem gab der Forscher damals an, dass eine weitere Frau mit einem genetisch veränderten Kind schwanger sei. Laut Xinhua wurde auch dieses Kind zur Welt gebracht. Der Forscher gab an, das Erbgut der Kinder mit Hilfe der Genschere Crispr/Cas9 so manipuliert zu haben, dass die Kinder vor einer Ansteckung mit HIV geschützt seien.

Sein Vorgehen rief in der Fachwelt und der Öffentlichkeit große Empörung hervor. He verschwand kurz darauf aus der Öffentlichkeit.

Genmanipulation: Ein „illegaler“ medizinischer Eingriff

Neben He Jiankui verurteilte das Gericht am Montag zwei weitere Wissenschaftler, die gemeinsam mit ihm an dem Projekt gearbeitet haben sollen. Sie wurden zu Haftstrafen von zwei Jahren beziehungsweise 18 Monaten verurteilt und müssen ebenfalls Geldstrafen zahlen. Das Forscherteam habe „illegale“ medizinische Eingriffe vorgenommen, hieß es laut Xinhua in dem Urteil.

Die Angeklagten hätten demnach auch nicht über eine ärztliche Qualifikation verfügt und „absichtlich gegen die einschlägigen nationalen Vorschriften für wissenschaftliche Forschung verstoßen“. Methoden der Gentechnologie seien vorschnell auf die Humanmedizin angewendet worden. Zuletzt wurden die von He Jiankui im vergangenen Jahr verkündeten Forschungsergebnisse immer deutlicher angezweifelt.

Forscher hat ethische und wissenschaftliche Normen verletzt

Experten, die Unterlagen des chinesischen Forschers durchgesehen hatten, kamen Anfang Dezember in einem Artikel für das Magazin „MIT Technology Review“ zu dem Ergebnis, dass He Jiankui mit seinem Vorgehen zahlreiche ethische und wissenschaftliche Normen verletzt habe. Die Manipulationen, die die Babys vor einer Ansteckung mit HIV schützen sollten, hätten zudem vermutlich nicht den beabsichtigten Erfolg gehabt.

In der Folge der verkündeten Geburt von „Lulu“ und „Nana“ hatte China strengere Vorschriften angekündigt. Ende Februar legte die Regierung einen Gesetzentwurf vor, wonach Gen-Versuche wie die von He Jiankui als „hochriskant“ eingestuft wurden. Wissenschaftler, die ähnliche Versuche machen, müssen demnach mit hohen Strafen rechnen.

Genmanipulierte Babys – Mehr Informationen

Im November 2018 hatte der Forscher aus China die Geburt von genveränderten Babys verkündet. Er sorgte mit seinen „Designerbabys“ weltweit für Entsetzen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte zu den Ereignissen: „Der Mensch soll nicht Gott spielen. So etwas ist mit unseren Werten nicht vereinbar.“

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, warnte vor einem „Einstieg in die Menschenzüchtung“. 2016 durfte ein britsches Forscherteam zum ersten Mal Gene von menschlichen Embryonen manipulieren. (dpa/msb)