Bundestagswahlkampf

Walter-Borjans stellt SPD-Kanzlerkandidatur infrage

Norbert Walter-Borjans, Bewerber für den SPD-Vorsitz, rät seiner Partei von einer Kanzlerkandidatur ab.

Norbert Walter-Borjans, Bewerber für den SPD-Vorsitz, rät seiner Partei von einer Kanzlerkandidatur ab.

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Die SPD soll laut Walter-Borjans keinen Kanzler- sondern einen Spitzenkandidaten aufstellen, wie es kleinere Parteien häufig machen.

Düsseldorf. Sollten die Sozialdemokraten bei der nächsten Bundestagswahl überhaupt einen Kanzlerkandidaten aufstellen? Nicht unbedingt, wenn es nach dem SPD-Vorsitz-Kandidat Norbert Walter-Borjans geht.

Er rät seiner Partei davon ab, in ihrer jetzigen Verfassung einen Kanzlerkandidaten zu küren. „Ich glaube, ich würde erst mal dafür werben, dass wir einen Spitzenkandidaten aufstellen“, sagte Walter-Borjans in einem „Spiegel“-Interview.

Er glaube nicht, „dass wir im Augenblick an dieser Stelle wären, einen Kanzlerkandidaten aufzustellen“, sagte der frühere NRW-Finanzminister. Bislang zog die SPD immer mit einem offiziellen Kanzlerkandidaten in einen Bundestagswahlkampf, kleinere Parteien dagegen treten traditionell eher mit Spitzenkandidaten an.

Walter Borjans: Zunächst geht es um den Parteivorsitz

Walter-Borjans Konkurrent um den SPD-Vorsitz, Vizekanzler Olaf Scholz, untermauerte im gleichen Interview seine Ambitionen auf eine Kanzlerkandidatur. Erst einmal gehe es um den Parteivorsitz. Walter-Borjans betonte dagegen, es müsse „nicht zwingend“ einer der Vorsitzenden als Nummer eins in den nächsten Wahlkampf ziehen.

Die Entscheidung dürfe aber nicht an den Vorsitzenden vorbeilaufen. Scholz hätte unter Walter-Borjans und Saskia Esken als SPD-Chefs aber wohl wenig Chancen auf eine Spitzenkandidatur. Sollten sie beide Parteivorsitzende werden, müsse man die Frage stellen: „Gibt es eine Alternative zu dem, wer es sich zutraut, also Olaf?“, sagte Walter-Borjans.

In der Koalition scheiden sich derzeit die Geister beim Thema Grundrente. Manchen Beobachter glauben, dass an ihr die Regierung zerbrechen kann. (dpa/les)