Debatte

Bei Lanz: Boris Palmer erzürnt Verleger Jakob Augstein

Boris Palmer sorgte mit seinen Aussagen bei Markus Lanz für Unverständnis.

Boris Palmer sorgte mit seinen Aussagen bei Markus Lanz für Unverständnis.

Foto: imago images/Future Image

Augstein und Ex-Footballer Patrick Esume werfen Boris Palmer vor, rassistische Ideologien zu befördern. Der fühlt sich missverstanden.

Berlin. Darin, die Gemüter zu erhitzen, ist Boris Palmer gut. Dabei gehe es ihm stets lediglich darum, sachliche Debatten zu führen, behauptet der grüne Oberbürgermeister Tübingens. Zu Gast bei Markus Lanz gerät er dennoch wieder einmal in die Schusslinie, diesmal von Ex-Footballer Patrick Esume und Verleger Jakob Augstein. Sie werfen Palmer vor, rassistische Ideologien zu befördern.

Erst im April dieses Jahres erzürnte sich das Netz: Auf Facebook hatte Palmer Bezug genommen auf eine Werbeanzeige der Deutschen Bahn. Darauf zu sehen sind fünf Menschen mit unterschiedlicher Hautfarbe. Palmer fragte provozierend: „Welche Gesellschaft soll das abbilden?“ Wohl wissend, dass seine Aussage einen Shitstorm auslösen würde – denn diesen hatte er direkt selbst angekündigt. Er ließ nicht lange auf sich warten.

Boris Palmer vermisst alte weiße Männer in Kampagnen

Für seine Talkshow kramte ZDF-Moderator Markus Lanz den alten Post noch einmal hervor – und entfachte damit erneut eine hitzige Debatte. Er wolle damit Mechanismen offenlegen, sagte Palmer. Viele Leute hätten nicht verstanden, worauf er eigentlich hinaus wollte. Nämlich, dass sich die „Diskriminierungsrichtung“ nach dem Gusto der „Identitätspolitiker“ umdrehen würde. Wen er damit meinte, sagte Palmer nicht. Allerdings würde dies dazu führen, dass vermehrt alte weiße Männer statt der „bisher Benachteiligten“ diskriminiert werden. Einen alten weißen Mann hatte Palmer in der Bahn-Kampagne vermisst.

„Wo soll uns das hinführen? Dass wir irgendwann eine Quote brauchen von schwarzen Menschen, die in Werbung vorkommen?“, fragte Patrick Esume, etwas dunkelhäutiger als Palmer, sichtlich irritiert. „Da sitzen fünf Menschen, die leben in Deutschland, und die fahren mit der Bahn irgendwohin“, so der Sport-Moderator. Vielleicht sehe er das aber auch zu simpel. Applaus gab es gleichwohl.

Augstein: Palmers Position „einfach blöd“

Der angezählte Grünen-Politiker freute sich über den sachlichen Einwand. Normalerweise werde er „als Rassist sofort abqualifiziert, delegitimiert und von der Debatte ausgeschlossen“. Die nahm bei Lanz jetzt erst so richtig Fahrt auf.

Aus Jakob Augstein, der zuvor seine ihm entglittenen Gesichtszüge noch hinter vorgehaltener Hand versteckt hatte, platzte es heraus: „Entschuldigung, aber Sie sind einfach ein Showman. Sie machen ihre Show auf Kosten anderer Leute. Sie befördern damit rassistische Ideologien bei den Leuten!“ Palmers Position sei auch nicht sachlich, sondern „einfach blöd“.

Wenngleich er den Grünen-Politiker für den logischen Nachfolger von Winfried Kretschmann hält: „Wahrscheinlich werden sie der nächste Ministerpräsident von Baden-Württemberg.“ Ein Grund mehr, warum er „diesen ganzen Quatsch“ nicht brauche.

Palmer sieht Deutschland auf einem Irrweg

Aber was ist jetzt die Konsequenz? Dass man Aufkleber gegen Atomkraft am Auto und gleichzeitig AfD wählen kann, fragte sich Esume. Doch Palmer ließ sich nicht beirren, hielt eisern an seiner Überzeugung fest, dass Deutschland auf einem Irrweg sei – und die Menschen in ihrer Meinung über ihn auch. „Man sollte mehr Energie in die Analyse der Tatsachen stecken, mehr Aufklärungsarbeit betreiben, und weniger Energie in die Verurteilung von Menschen, die etwas anderes denken als man selbst.“

Als die Sprache auf das Thema Integration kommt, wird es noch ein weiteres mal spannend. Zwar sei diese keine Einbahnstraße, erklärte Esume und sagte, bei ihm sei jeder willkommen. Aber: „Wenn er anfängt, mich zu beklauen, dann hat er das Recht, bei mir zu bleiben, verwirkt.“

„Das können sie sagen, ich schon nicht“, warf Tübingens Oberbürgermeister ein. „Der gleiche Text aus meinem Mund und es heißt: AfD!“ Ein guter Punkt, konstatierte Lanz.