Brexit

Lady Hale - Feministin, Spinnenfreundin, Oberste Richterin

Die Präsidentin des Supreme Courts von Großbritannien: Lady Brenda Hale, verkündet das für Boris Johnson vernichtende Urteil.

Die Präsidentin des Supreme Courts von Großbritannien: Lady Brenda Hale, verkündet das für Boris Johnson vernichtende Urteil.

Foto: REUTERS TV / Reuters

Wer ist Lady Brenda Hale, die Präsidentin des britischen Supreme Courts? Und warum trug sie eine Spinnenbrosche?

London. Eine glitzernde Spinne auf schwarzem Strick, die Haare schlicht grau, der Blick klar, aber warm: Brenda Hale, die Oberste Richterin am Supreme Court, hat kurz vor dem Ende ihrer Laufbahn im Januar noch einmal für internationales Aufsehen gesorgt.

Sie ist die erste Frau des obersten Gerichts – und mit 74 Jahren gleichzeitig die älteste unter den elf Richtern. Sie alle entschieden: Ein Premier darf nicht einfach das Unterhaus ausschalten, weil es womöglich die Brexit-Pläne stört, indem er die Parlamentarier in eine wochenlange Zwangspause schickt.

Bis zur Urteilsverkündung am Dienstag wusste niemand, wie Hale und ihre zehn Mitstreiter entscheiden würden. Die Oberste Richterin hatte sich bislang nur 2016 zum Brexit geäußert. Die Volksabstimmung sei nicht „rechtlich bindend“, sagte sie damals. Zu ihrer politischen Haltung darüber hinaus ist wenig bekannt.

Lady Brenda Hale – die erste und älteste Frau am höchsten Gericht

Klar ist nur, dass Hale eine entschiedene Feministin ist, und das zeigt sie auch im britischen Oberhaus, in dem sie als Lord-Richter seit 2002 sitzt: Das Wappen, das dort für Lady Hale angebracht ist, trägt den lateinischen Spruch: „Omnia Feminae Aequissimae“ – Frauen sind in allem gleich.

Dem Supreme Court gehört Hale seit 2009 an, vor knapp zwei Jahren übernahm sie den Vorsitz. Mittlerweile hat sie zwei weibliche Mitstreiter. Die Tradition, dass die Richterinnen sich nach Sitzungen zum Dinner zurückziehen, während die Männer gemeinsam Portwein im Salon trinken, hat sie kurzerhand abgeschafft.

Am Dienstag verkündete sie das spektakuläre Urteil mit ihrer gewohnt sanften Ausstrahlung – aber umso klareren Worten. Warum sie ausgerechnet eine Spinnenbrosche ansteckte, regte zu Spekulationen an. Offenbar ist Hale ein Fan von Tierbroschen, berichten britische Medien. So sollen in ihrer Schmuckschatulle auch zwei Frösche liegen, ein Tausendfüßler, eine Libelle und ein Käfer.

Schon Kult: die Spinnenbrosche der Präsidentin

Warum nun die Spinne? Die britische Presse spekulierte aufgeregt, feiert Hale und ihre Brosche aber als „verdammt krass“ und als „Königin der Gerechtigkeit“. Apropos Königin: Die Queen, daran erinnert sich der „Guardian“, trug zum Staatsbesuch Trumps eine Brosche, die ihr sein Vorgänger, Barack Obama , geschenkt hatte.

Die Spinne immerhin erlangt schon nach wenigen Stunden Kultstatus: Ein sogenanntes Lady-Hale-T-Shirt ist im Onlineshop zu haben – für zehn Pfund plus Versandkosten.