Plagiatsverdacht

Mehrheit fordert, dass Giffey bei Titel-Aberkennung geht

Franziska Giffey (SPD), Bundesfamilienministerin.

Franziska Giffey (SPD), Bundesfamilienministerin.

Foto: Ralf Hirschberger / dpa

Ministerin Giffey kämpft um den Doktortitel. Sollte er ihr aberkannt werden, fordert die Mehrheit der Deutschen, dass sie zurücktritt.

Berlin. Die Mehrheit der Deutschen ist der Meinung, Familienministerin Franziska Giffey (SPD) sollte zurücktreten, wenn sie ihren Doktortitel verliert. Das ist das Ergebnis einer Umfrage dieser Redaktion in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey.

Demnach sagen 58,2 Prozent der Befragten (Stand, Montag, 24. Juni, 12.50 Uhr), Giffey solle im Falle einer Aberkennung des Titels „auf jeden Fall“ oder „eher schon“ ihr Amt als Ministerin niederlegen. 32 Prozent sind dagegen.

Giffey droht wegen Plagiatsverdacht die Aberkennung ihres Doktortitels. Der Vorwurf: Sie soll Teile ihrer Arbeit an der Freien Universität Berlin (FU) abgeschrieben haben.

Giffey-Rücktritt – AfD-Anhänger sind überwiegend dafür

Wenig überraschend: Bürger, die der SPD nahe stehen, sind mehrheitlich dagegen, dass Giffey im Falle einer Aberkennung des Titels zurücktritt. 52,6 Prozent der SPD-Anhänger wollen, dass sie ihr Amt auch dann behält. Größte Befürworter eines Rücktritts sind hingegen die Anhänger der AfD – mit knapp 85 Prozent wollen mehr als vier Fünftel von ihnen, dass die Ministerin geht. Beim Koalitionspartner CDU/CSU sind es mehr als 60 Prozent.

Plagiatsjäger der Internet-Plattform VroniPlag hatten berichtet, sie hätten auf 76 von 205 Seiten der Dissertation Plagiatstext gefunden . Die FU Berlin prüft nun die Arbeit seit Februar. Giffey hatte ihre frühere Universität selbst darum gebeten. Die Ministerin hatte stets betont, sie habe die Arbeit „nach bestem Wissen und Gewissen verfasst“.

Giffey promovierte von 2005 bis 2009 im Bereich Politikwissenschaft am Otto-Suhr-Institut der FU. Ihre Dissertation verfasste sie zum Thema „Europas Weg zum Bürger – Die Politik der Europäischen Kommission zur Beteiligung der Zivilgesellschaft“.

Die Bundesfamilienministerin gilt derzeit auch als eine mögliche Nachfolgerin von Andrea Nahles an der Spitze ihrer Partei. Der SPD-Parteivorstand entscheidet an diesem Montag über das weitere Vorgehen, zahlreiche Spitzenpolitiker der Sozialdemokraten befürworten eine Doppelspitze.

Die Civey-Umfrage wurde im Zeitraum vom 21. bis zum 24. Juni online durchgeführt. Die Stichprobengröße ist 5038, die statische Fehlerquote lag bei 2,5 Prozent.