Akkreditierung

Zwei deutsche Journalisten müssen Türkei verlassen

Jörg Brase, ZDF-Korrespondent (r), und Thomas Seibert (l), Reporter des "Tagesspiegel", geben kurz vor ihrer Ausreise aus der Türkei im ZDF-Studio eine Pressekonferenz.

Jörg Brase, ZDF-Korrespondent (r), und Thomas Seibert (l), Reporter des "Tagesspiegel", geben kurz vor ihrer Ausreise aus der Türkei im ZDF-Studio eine Pressekonferenz.

Foto: Christine Röhrs / dpa

Die Arbeit für ausländische Journalisten in der Türkei wird immer schwieriger. Nun wurde zwei Deutschen die Akkreditierung entzogen.

Istanbul/Berlin.  Zwei deutsche Journalisten haben nach der Verweigerung ihrer Akkreditierung am Sonntag die Türkei verlassen. Der ZDF-Korrespondent Jörg Brase und der „Tagesspiegel“-Reporter Thomas Seibert flogen am Nachmittag nach Deutschland zurück.

Beiden hatte das Presseamt in Ankara vor rund einer Woche mitgeteilt, dass ihr Antrag auf eine neue Pressekarte nicht bewilligt worden sei. Gründe nannten die türkischen Beamten nicht. Die Affäre hat die seit Jahren krisenhaften, aber jüngst verbesserten Beziehungen zwischen Deutschland und Türkei erneut schwer belastet.

Beide Reporter kritisierten vor ihrer Abreise in einer Pressekonferenz im ZDF-Studio in Istanbul das Vorgehen der türkischen Regierung. „Es ist ein Versuch, ausländische Medien einzuschüchtern und Druck auf sie auszuüben“, sagte Brase. Man werde sich davon aber nicht beeindrucken lassen. Das ZDF werde gegen die Entscheidung auch gerichtlich vorgehen. Er und auch Seibert wollen weiter über die Türkei berichten – nötigenfalls von außerhalb.

Ein Dutzend deutscher Korrespondenten wartet auf Pressekarte

Mehr als zwei Monate nach Ablauf ihrer alten Dokumente warten weiter rund ein Dutzend deutsche Korrespondenten sowie zahlreiche internationale Journalisten auf die neuen, jährlich vergebenen Pressekarten. Die gelten als Arbeitserlaubnis und als Grundlage für die Ausstellung einer Aufenthaltserlaubnis. Medienrechtsaktivisten kritisierten die Verweigerungen und Verzögerungen der Akkreditierungen als „Willkür“ und Verstoß gegen die Pressefreiheit.

Am Tag vor der Ausreise der beiden Korrespondenten hatte die Bundesregierung die Reisehinweise für die Türkei verschärft - unter anderem mit Verweis auf mögliche „weitere Maßnahmen gegen Vertreter deutscher Medien sowie zivilgesellschaftlicher Einrichtungen“.

Reporter ohne Grenzen kritisiert „Rauswurf“

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) sagte dem „Tagesspiegel“, Journalisten an der Arbeit zu hindern, sei mit der Pressefreiheit nicht vereinbar. Dass einige deutsche und andere europäische Korrespondenten ihrer Arbeit in der Türkei nicht frei nachgehen könnten, sei „nicht akzeptabel“. Ohne kritische Presse könne es keine freie Demokratie geben, so Maas.

Auch Annegret Kramp-Karrenbauer, Andrea Nahles und Christian Lindner kritisierten die Ausweisung. „Reporter ohne Grenzen“ sagte, der Entzug der Arbeitserlaubnis komme „einem Rauswurf“ gleich. Die erzwungene Ausreise von Brase und Seibert markiere einen weiteren Tiefpunkt in den deutsch-türkischen Beziehungen, erklärte Geschäftsführer Christian Mihr.

(dpa/epd/aba)