Geheimdienst

So gewaltig ist die neue Zentrale des BND in Berlin

Die neue Zentrale des Bundesnachrichtendienstes in Berlin.

Die neue Zentrale des Bundesnachrichtendienstes in Berlin.

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Der Neubau der BND-Zentrale hat mehr als eine Milliarde Euro gekostet. Mitarbeiter kommen nur durch einen Venenscanner ins Gebäude.

Blanker Stein und hohe Zäune ziehen sich die Straße entlang. Über mehrere Hundert Meter dominiert der wuchtige Gebäudekomplex die Chausseestraße in Berlins Mitte. Wenn an diesem Freitag die neue Zentrale des Bundesnachrichtendienstes mitten in Berlin eröffnet wird, sind seit dem ersten Spatenstich mehr als zwölf Jahre vergangen.

Gekostet hat der Neubau gut eine Milliarde Euro. Zur Eröffnung werden zahlreiche Gäste erwartet, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Um die Dimensionen dessen zu begreifen, was hier in den vergangenen Jahren entstanden ist, hilft ein Blick auf die Zahlen. Denn der Neubau auf einer Fläche in der Größe von 36 Fußballfeldern zog gleichzeitig auch einen Umzug vom Hauptsitz des Nachrichtendienstes im oberbayerischen Pullach in die Hauptstadt nach sich.

58.000 Möbelstücke mussten transportiert und 10.000 Umzugskisten verladen wären. Allein die Kartons ergäben aneinandergereiht eine Länge von 55 Kilometern.

Von 4000 Mitarbeitern sind bis jetzt erst 3200 da

Der Umzug, der ein Jahr dauerte und einer der größten und geheimsten in der Geschichte der Bundesrepublik war, kostete 300 Millionen Euro. Die Kisten wurden in verplombten Containern in nicht gekennzeichneten Lastwagen ohne Firmenlogo transportiert.

Im neuen BND-Hauptquartier ist aber immer noch Luft nach oben: Von den 4000 Mitarbeitern, die hier einmal arbeiten sollen, sind bis jetzt erst 3200 da. Die restlichen Stellen sollen erst noch besetzt werden. Insgesamt arbeiten bei dem Nachrichtendienst im In- und Ausland 6500 Menschen.

Betrachtet man die Struktur des Nachrichtendienstes, dann ist Berlin so etwas wie das Lagezentrum der Behörde, wo die gewonnen Erkenntnisse angeschaut, dokumentiert und ausgewertet werden sollen. Das operative Herzstück, die technische Aufklärung und Softwareentwicklung, mit der Terroristen oder andere Geheimdienste ausgespäht werden, ist nicht mit umgezogen.

In Berlin hat der BND noch einen Standort in Lichterfelde

Diese Abteilung, die auch Cyber-Bedrohungen analysiert und deren Abwehr plant, bleibt in Pullach. Generell gibt sich der BND sehr verschwiegen, was seine Struktur betrifft. Anfragen hierzu könne man nicht beantworten, heißt es auf Nachfragen. In Berlin hat der BND etwa noch einen Standort in Lichterfelde. Was dort genau passiert: unklar.

Dass vor allem die technische Aufklärung in Pullach bleibt, sorgte in der Vergangenheit bereits für Kritik. Der Innenexperte und stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Konstantin von Notz, hat mit dem Umzug des BND nach Berlin einen Neuanfang für den Auslandsgeheimdienst gefordert.

„Seine Lage mitten in der Hauptstadt verortet den Dienst neu, raus aus dem abgeschirmten Pullach mitten in die Hauptstadt unserer Demokratie“, sagte von Notz dieser Redaktion. Parlamentarische Kontrolle, Nachvollziehbarkeit und Verhältnismäßigkeit der eigenen Arbeit und die rechtsstaatliche Verankerung im Herzen unserer Demokratie müssten „zum unverrückbaren Selbstverständnis des größten deutschen Nachrichtendienstes werden“.

Massenhafte Aufzeichnung von Kommunikationsdaten

Die Grünen hatten in der Vergangenheit deutliche Kritik daran geübt, dass die umstrittene Abteilung für die „Technische Aufklärung“ nicht mit nach Berlin umzieht. Die Abteilung ist auch für die massenhafte Aufzeichnung von Kommunikationsdaten zuständig.

Vor einigen Jahren hatte der Bundesdatenschutzbeauftragte fehlende Kontrolle und Transparenz bei der Überwachung bemängelt. Die Enthüllungen des Whistleblowers Edward Snowden und ein Untersuchungsausschuss im Bundestag hatten Ende 2015 ans Licht gebracht, dass auch EU-Institutionen sowie zivile Organisationen unrechtmäßig durch den BND überwacht wurden.

Grünen-Politiker von Notz sagte nun: „Als Grüne haben wir in den vergangenen Jahren den Umzugsbeschluss, die Kostensteigerung und den Umstand, dass mit der Technischen Aufklärung eine wesentliche Abteilung nicht wie versprochen mit umzieht, deutlich kritisiert. Viele unserer Kritikpunkte sehen wir bestätigt.“

Verschwiegenheit ist der Wesenskern der Geheimdienste

Mehr als 70 Jahre residierte der BND abgeschirmt von der Außenwelt in Pullach. Der Umzug nach Berlin ist auch ein Bruch mit dieser Vergangenheit. Der bayerische Standort war so abgeschirmt von der Außenwelt, dass sich jahrelang etwa das Gerücht hielt, hinter den Mauern befinde sich eine psychiatrische Klinik. BND-Mitarbeiter durften nicht einmal ihren Familienangehörigen erzählen, wo sie arbeiten und was genau sie eigentlich machen.

Daran hat sich zwar im Kern auch heute noch nichts geändert, denn Verschwiegenheit ist der Wesenskern der Geheimdienste, aber mit dem Umzug nach Berlin soll dennoch ein Signal gesendet werden – hin zu mehr Transparenz und parlamentarischer Kontrolle. Reichstag und Kanzleramt befinden sich vom Balkon des BND-Chefbüros in Sichtweite.

Jeder Mitarbeiter muss sein Mobiltelefon abgeben

Dass der Bau mit modernster Sicherheitstechnik vollgestopft ist, zeigt sich am Zugang zu dem Gebäude. Jeder Mitarbeiter muss, bevor er das Gebäude betritt, sein Mobiltelefon abgeben und gelangt über Biometrieschleusen zum Arbeitsplatz. Das sind in diesem Fall Venenscanner.

Bei diesem Verfahren werden die Venenmuster einer Hand erfasst und mit Referenzmustern verglichen. Handwerker, die an dem Bau beteiligt waren, mussten sich verpflichten, alle mit der Baustelle verbundenen Informationen vertraulich zu behandeln.

Mehr als 15 Jahre ist die Entscheidung für den Umzug nun her. Anfangs gab es Ärger um verschwundene Baupläne und Probleme mit der Lüftung. Höhepunkt der Pannenserie war, als im Jahr 2015 Unbekannte in das Gebäude einstiegen, die Wasserhähne abmontierten, den Komplex damit unter Wasser setzten und so einen Millionenschaden anrichteten.

Das brachte dem BND viel Spott ein. Was viele aber nicht wissen: Der Nachrichtendienst war da noch gar nicht Mieter des Baus. Die Verantwortung lag noch bei der Bauverwaltung des Bundes. Angesprochen auf die Panne, winken BND-Mitarbeiter im Gespräch mit dieser Redaktion ab und sagen, dass es Zeit sei nach vorn zu schauen.