CDU-Vorsitz

Verlierer Friedrich Merz: Was jetzt in der CDU möglich ist

Zwischen Jubel und Tränen: Die besten Szenen vom CDU-Parteitag

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Die Entscheidung ist durch, Friedrich Merz wird nicht CDU-Chef. Was kann, was will er jetzt tun? Optionen hat er – viele haben Haken.

Berlin.  Mindestens einen Parteifreund hat Matthias Kerkhoff schon vom Austritt abhalten können. Andere stehen noch auf seiner Liste. Kerkhoff ist Vorsitzender des CDU-Kreisverbands Hochsauerland, der Heimat von Friedrich Merz. Hier ist die Enttäuschung über dessen Niederlage beim Rennen um den Parteivorsitz besonders groß.

Einige CDU-Mitglieder hätten telefonisch das Verlassen der Partei erklärt, berichtet Kerkhoff. „Natürlich sind Mitglieder enttäuscht, auch ich persönlich“, sagt er. Aber eine Austrittswelle, die gebe es nicht.

Bemühen, den Riss zu flicken

Am Tag drei nach dem Parteitag ist die CDU nicht nur im Sauerland bemüht, den Riss wieder zu flicken, der bei der Wahl der neuen Spitze offenbar wurde. Immer lauter wird der Ruf, Merz möge trotz seiner gescheiterten Kandidatur weiter in der CDU eine tragende Rolle spielen.

Vor allem in den ostdeutschen Landesverbänden Sachsen, Thüringen und Brandenburg, wo im kommenden Jahr der Landtag neu gewählt wird und die AfD besonders stark ist, wünschen sich die CDU-Mitglieder Unterstützung durch Merz.

In Sachsen hofft man auf Merz’ Unterstützung

„Friedrich Merz muss uns helfen, darauf setze ich sehr“, wünscht sich etwa Mike Mohring , der in Thüringen im Oktober 2019 Spitzenkandidat der CDU sein wird. Merz genieße „sehr viel Sympathie und Zustimmung vor Ort bei den Leuten an der Basis.“

Auch Ministerpräsident Michael Kretschmer, der sich schon im September 2019 in Sachsen zur Wahl stellt, erwartet von dem Sauerländer Schützenhilfe für eine zweite Amtszeit: „Friedrich Merz wird eingeladen, selbstverständlich. Ich freue mich, wenn er kommen würde und mit eingreift in den Wahlkampf.“

Hoffnung, dass Merz ins Bundeskabinett kommt

„Wir brauchen jeden Wahlkämpfer, und Friedrich Merz allen voran“, sagt auch Unions-Fraktionsvizechef Carsten Linnemann im Deutschlandfunk und nennt Merz ein „Zugpferd“. Er hoffe, dass er der Partei erhalten bleibe. Er selbst werde noch mit ihm reden und ihm das nahelegen, so Linnemann.

Der baden-württembergische Landesvorsitzende der Jungen Union, Philipp Bürkle, forderte sogar Merz’ Berufung als Minister ins Bundeskabinett: „Wenn Friedrich Merz bei einer Kabinettsumbildung berücksichtig würde, wäre das ein sehr gutes Signal“, sagte Bürkle der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.

Merkel wird Altmaier kaum opfern wollen

Abgesehen davon, dass Merkel es sich dreimal überlegen dürfte, ob sie im Kabinett mit Merz zusammenarbeiten will, wäre der einzige Posten, der für ihn infrage käme und der von der CDU versetzt werden könnte, der des Wirtschaftsministers.

Den Job aber macht Merkels Vertrauter Peter Altmaier, und dass sie ihn für Merz opfert, gilt als unwahrscheinlich. Doch wohin dann mit Merz? Im Bundestag sitzt er seit 2009 nicht mehr, weshalb er auch in der Fraktion keine Rolle spielen kann.

MIT-Vorsitz wäre Kampf auf verlorenem Posten

Theoretisch könnte Merz Vorsitzender der Mittelstandsvereinigung (MIT) der CDU werden, das Amt ist an kein Mandat gebunden. Die Unterstützung wäre Merz sicher: Die MIT hatte sich ausdrücklich ihn als CDU-Vorsitzenden gewünscht.

Der aktuelle Chef müsste nur zurücktreten – es ist genau der Carsten Linnemann, der dem „lieben Friedrich“ auf dem Parteitag zugerufen hatte: „Bleib bitte bei uns, wir brauchen dich!“

Würde Linnemann das tun, hätte Merz das Problem, das Linnemanns Vorgänger Josef Schlarmann hatte: Ohne Abgeordnetenmandat fehlte ihm der Einfluss, eigene Forderungen durchsetzen zu können. Schlarmann kämpfte einst auf verlorenem Posten.

Merz gibt an, er sei bereit zu helfen – wie, sagt er noch nicht

Noch ist nicht erkennbar, ob der gescheiterte Kandidat überhaupt Interesse an einem Amt und einer dauerhaften Rolle in der Bundespolitik hat. Merz schweigt. Vom Parteitag hatte er sich mit den Worten verabschiedet: „Ich bin gerne bereit, auch in den nächsten Jahren dort wo es gewünscht wird, die Partei zu unterstützen und ihr zu helfen.“

Was das heißt, ließ er offen. Die Chance, in das oberste Führungsgremium der CDU, das Präsidium, gewählt zu werden, ließ Merz jedenfalls ungenutzt verstreichen. Er hätte nur mit dem Finger zucken müssen und wäre gewählt worden. Seine lukrativen Aufsichtsratsposten hätte er aber wohl aufgeben müssen.

Kramp-Karrenbauer will mit Merz reden

Vor diesem Hintergrund bleibt es spannend, was die neue CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer ihrem ehemaligen Konkurrenten anbieten wird. Beide wollen sich in diesen Tagen zum Gespräch treffen. Auch Kramp-Karrenbauer will Merz einbinden, das kündigte sie bereits an.

Anders als viele Parteimitglieder sind die Bundesbürger insgesamt offenbar nicht so enttäuscht über den Wechsel an der CDU-Spitze. Im Gegenteil: Im Trendbarometer der Sender RTL und n-tv­ legen CDU/CSU um drei Punkte auf 32 Prozent zu. Vor dem Parteitag waren es noch 29 Prozent. 46 Prozent der Befragten fanden die Wahl Kramp-Karrenbauers „eine gute Lösung“. Unter CDU-Anhängern sind es 62 Prozent.