CDU-Vorsitz

Angela Merkel – Eine Pragmatikerin der Macht tritt ab

Ende der Ära Merkel: Die sieben wichtigsten Szenen der letzten zwei Jahre

Merkel: Eine Ära geht zu Ende. Alle Dramen der letzten zwei Jahre in einem Video von Reporterin Johanna Rüdiger.

Ende der Ära Merkel: Die sieben wichtigsten Szenen der letzten zwei Jahre

Beschreibung anzeigen

Was Angela Merkel nutzte, war lange gut für die CDU – doch der Preis dafür ist hoch. Der Markenkern der Partei ist abgeschliffen.

Berlin.  Als Angela Dorothea Merkel am 10. April 2000 auf dem Parteitag in Essen die CDU-Spitze übernahm, da raunten mächtige konservative Männer, sie werde nur eine Übergangsvorsitzende sein. Frau, Ossi, spröde, keine Hausmacht.

Angela Merkel ist 18 Jahre geblieben. Zwei Jahre länger als Konrad Adenauer. Das Vierteljahrhundert von Helmut Kohl hat sie nicht erreicht. Er machte sie nach dem Fall der Mauer zur Umweltministerin, später zur Generalsekretärin. Ihren Ziehvater ließ Merkel im richtigen Moment im Morast der Parteispendenaffäre untergehen. Wie sie die CDU aufrichtete, hatte Klasse. Aus Kohls Mädchen wurde die mächtigste Frau der Welt.

Die Liste der Männer, die Merkel stürzen wollten, ist lang

In der Elefantenrunde nach der Wahl 2005 höhnte der hauchdünn geschlagene Gerhard Schröder, diese Frau werde niemals eine Koalition mit seiner SPD anführen. Man müsse die „Kirche doch mal im Dorf lassen“. Nicht nur Schröder irrte gewaltig.

Merkel - bin dankbar für 18 Jahre CDU-Parteivorsitz

Die Bundeskanzlerin gibt auf dem CDU-Parteitag in Hamburg ihren Parteivorsitz ab. Die drei offiziellen Kandidaten sind Annegret Kramp-Karrenbauer, Friedrich Merz und Jens Spahn.
Merkel - bin dankbar für 18 Jahre CDU-Parteivorsitz

Die Liste der Männer, die Merkel in der CDU kaltzustellen suchten, ist lang. Die „schwarze Witwe“, die männermordende Machtstrategin. Mit diesen Plattitüden pflegten düpierte Alphamänner ihre Kränkungen. Erstmals war da eine Frau kälter und klüger als sie selbst. Auf dem Parteitag wollen Wolfgang Schäuble und Friedrich Merz es ihr nun heimzahlen . Das sind die wichtigsten Informationen zum CDU-Parteitag.

Merkel garantierte Macht, Mandate und Posten

In der CDU war Merkel bis zum Flüchtlingssommer 2015 – als die protestantische Pfarrerstochter sich aus tiefster humanistischer Seele für die Aufnahme Hunderttausender Geflüchteter entschied – lange unangefochten. Sie garantierte Macht, Mandate und Posten. Vier Mal in Folge sicherte sie der Union den Wahlsieg.

Als großer Widerspruch ihrer Ära bleibt, dass die Partei dafür einen hohen Preis zahlt. Der Markenkern ist abgeschliffen, von 41,5 Prozent (2013) ist die Union auf unter 30 Prozent abgestürzt (unter tatkräftiger Mithilfe von Horst Seehofer).

Das Profil der CDU franste aus wie der Saum eines Teppichs

Merkel war es gleich, ob sie mit stockkonservativen, grünen oder sozialdemokratischen Inhalten erfolgreich war. Das Profil der Volkspartei passte sie an den Zeitgeist an. Nur franste es dabei wie der Saum eines Teppichs aus. Atomausstieg à la Hobbyköchin Merkel?

Darum ist der CDU-Parteitag in Hamburg so wichtig

CDU-Parteitag: Was man jetzt über die Delegierten-Versammlung in Hamburg wissen muss.
Darum ist der CDU-Parteitag in Hamburg so wichtig

Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln. Abschaffung der Wehrpflicht à la Möchtegern-Doktor zu Guttenberg? Juckte Merkel nicht. Erlaubt war, was ihr nutzte. Macchiavelli hätte an der Frau aus der Uckermark seine Freude gehabt.

Anders als Kohl ließ sie ihre Koalitionspartner vor die Hunde gehen. Den Liberalen verwehrte sie Steuersenkungen. Die FDP flog aus dem Bundestag. Auch am Niedergang der SPD und dem Aufstieg der AfD trägt sie eine Mitschuld.

18 Jahre Parteivorsitz – und nicht der Hauch eines Skandals

Gemeinsam mit dem konservativen Umfragen-Guru Matthias Jung perfektionierte Merkel die sogenannte asymmetrische Demobilisierung. Sie mied jede inhaltliche Konfrontation, schläferte politische Konkurrenz und Wahlvolk ein. Der gescheiterte SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz warf Merkel einen „Anschlag auf die Demokratie“ vor. Lange ging das für die CDU gut.

Doch es gibt Kollateralschäden. Merz hat Recht, dass Merkel das Erstarken der AfD mit einem „Achselzucken“ hingenommen hat. Mehr noch: Das war aus Merkels Sicht ein machtpolitisches Geschenk. Mit dem Einzug der Rechtspopulisten sind rot-grüne oder rot-rot-grüne Mehrheiten im Bundestag perdu.

In Regierungsführung und persönlich allerdings setzte Merkel Maßstäbe. In 18 Jahren gab es nicht den Hauch eines Skandals. Wirtschaftlich war es eine goldene Ära. Nicht nur die CDU, Deutschland hat Angela Merkel viel zu verdanken.

© Hamburger Abendblatt 2018 – Alle Rechte vorbehalten.