Ex-US-Präsident

George H. W. Bush ist tot – das waren seine letzten Worte

Der ehemalige US-Präsident George H.W. Bush ist im Alter von 94 Jahren gestorben.

Der ehemalige US-Präsident George H.W. Bush ist im Alter von 94 Jahren gestorben.

Foto: Lawrence Jackson / dpa

Vier Jahre regierte er die USA. Nun ist der frühere US-Präsident George H. W. Bush im Alter von 94 Jahren gestorben.

Washington/Houston.  Er regierte als 41. Präsident von Amerika nur eine Amtsperiode im Weißen Haus, dann musste er dem Demokraten Bill Clinton weichen. Dafür durfte er erleben, wie später sein Sohn zum US-Präsidenten gewählt wurde. Jetzt ist frühere amerikanische Präsident George H. W. Bush gestorben.

Bush starb im Alter von 94 Jahren, wie ein Sprecher der Familie in der Nacht zum Samstag per Twitter mitteilte. Er starb demnach am Freitagabend um 22.10 Uhr Ortszeit.

Er sei der beste Vater gewesen, den man sich als Sohn oder Tochter habe wünschen können, hieß es in einer Erklärung seines Sohnes, des früheren US-Präsidenten George W. Bush. Die gesamte Familie sei zutiefst dankbar für dessen Leben. Der zweitälteste Sohn Jeb Bush schrieb auf Twitter, nichts habe seinem Vater mehr Freude bereitet, als anderen zu helfen.

Medienberichten zufolge richtete Bush seine letzten Worte an seinen Sohn George W. Bush. Die „New York Times“ und der Sender CNN berichteten am Samstag, als Bushs Dahinscheiden absehbar gewesen sei, sei sein Sohn in einem Telefonat auf Lautsprecher geschaltet worden.

George Bushs letzte Worte: „Ich liebe dich auch“

Bush junior – der acht Jahre nach dem Ende der Amtszeit seines Vaters Präsident wurde – habe gesagt, dass er ein „wunderbarer Vater“ gewesen sei und dass er ihn liebe. „Ich liebe dich auch“, habe Bush senior geantwortet.

Die „New York Times“ zitierte den Freund und früheren Außenminister von George H. W. Bush, James A. Baker, der beim Tod Bushs dabei war. Außerdem seien Familienangehörige und Freunde Bushs anwesend gewesen. Baker sagte, der frühere Präsident – der lange an einer Form von Parkinson litt – sei friedlich gestorben. „Und er war bereit.“

In George H. W. Bushs Amtszeit fiel der Kuwait-Krieg

Der Republikaner war von 1981 bis 1989 Vizepräsident unter Ronald Reagan und anschließend vier Jahre lang Regierungschef in Washington. Sein Sohn George W. Bush war von 2001 bis 2009 Präsident. Daher wurde die Bush-Familie in den USA manchmal auch die „Kennedys der Republikaner“ genannt.

George H. W. Bush musste in den vergangenen Jahren immer wieder im Krankenhaus behandelt werden. Vor rund zweieinhalb Jahren brach er sich bei einem Sturz in seinem Ferienhaus einen Halswirbel. Zuletzt saß er im Rollstuhl. Erst im April dieses Jahres war seine Frau Barbara gestorben. Die beiden waren 73 Jahre verheiratet. Das Ehepaar hatte sechs Kinder, von denen eines im Alter von drei Jahren gestorben war.

Obama: „Unsere Herzen sind heute schwer“

Der demokratische Ex-Präsident Barack Obama zeigte sich bestürzt über den Tod von George H. W. Bush. Amerika habe einen „Patrioten und bescheidenen Diener“ verloren, hieß es in einer Erklärung von Barack und Michelle Obama.

Ex-Präsident Bill Clinton hat die Freundschaft zu seinem verstorbenen Amtsvorgänger George H. W. Bush als eines der größten Geschenke seines Lebens bezeichnet. Dafür werde er immer dankbar sein, erklärte Clinton am Samstag.

„Während unsere Herzen heute schwer sind, sind sie auch voller Dankbarkeit.“ Bush habe sein Leben einem Land gewidmet, das er geliebt habe. Er hinterlasse ein Vermächtnis, das niemals erreicht werden könne, „auch wenn er gewollt hätte, dass wir alle es versuchen“.

Aus George H. W. Bushs Amtszeit ist vor allem der Krieg zur Befreiung Kuwaits in Erinnerung. Bush gelang es, Anfang 1991 eine große internationale Kriegskoalition gegen den Irak zu schmieden, der mit Ägypten, Syrien und Saudi-Arabien sogar arabische Staaten angehörten. Bush wusste aus eigenem Erleben, was Krieg und Tod bedeuten. Im Zweiten Weltkrieg wurde er 1942 als damals jüngster Marine-Pilot über dem Südpazifik von den Japanern abgeschossen, musste sich mit dem Fallschirm retten und wurde per Zufall von einem U-Boot aufgelesen.

Obwohl seine Popularität nach dem Kuwaitkrieg 1991 Traumwerte erreichte, verlor er nur eineinhalb Jahre später die Präsidentschaftswahl - gegen den jungen und zunächst weithin unbekannten Demokraten Bill Clinton. Bush wurde zum Verhängnis, dass die Wirtschaft schwächelte - das ließen ihm die Amerikaner nicht durchgehen.

Bush erbte Ronald Reagans Probleme

Dass ihm nach acht Jahren Vizepräsidentschaft unter Reagan (1981 bis 1989) nur eine Amtszeit an der Spitze vergönnt war, halten manche Biographen rückblickend für eine „leichte Ungerechtigkeit“. Bush hatte aus der Ära Reagan, dem er später „Vodoo“-Wirtschaften vorhielt, eine ökonomische Schieflage geerbt.

Als er sein zentrales Wahlkampfversprechen („Schaut auf meine Lippen!“) brach und doch die Steuern erhöhte, stand er als Verlierer da. Bill Clinton, der damals unbekannte Demokrat und Gouverneur von Arkansas, beerbte ihn mit dem Satz: „It’s the economy, stupid“. Auf die Wirtschaft kommt es an.

Die deutsche Einheit wäre ohne Bush undenkbar

Nirgends wirkt das Vermächtnis Bushs stärker als in Deutschland. Während Bushs Amtszeit befreiten sich die Völker Mittel- und Osteuropas in meist friedlichen Revolutionen von der Herrschaft des Kommunismus. Die Berliner Mauer fiel und löste den Zerfall der von Ronald Reagan als „Reich des Bösen“ bezeichneten Sowjetunion aus. Die deutsche Einheit wäre ohne Bush nicht möglich gewesen.

Gemeinsam mit Bundeskanzler Helmut Kohl, der seinen Verhandlungspartner einen „Glücksfall“ nannte, trieb Bush das Zusammengehen von West- und Ostdeutschland voran und besänftigte Skeptiker wie die damalige britische Premierministerin Thatcher und Frankreichs Präsidenten Francois Mitterrand. Als Bush zur Feier seines 80. Geburtstags vor Hunderten Gäste mit dem Fallschirm absprang, stand Kremlchef Michael Gorbatschow auf dem Gelände der Texas A&M-Universität und sah ebenso staunend wie ehrfürchtig in den Himmel.

Außenminister Heiko Maas (SPD) erklärte, Deutschland sei Bush für immer zu Dank verpflichtet. „Auch er ist Architekt der deutschen Einheit. Ohne Vorbehalte unterstützte er sie von Beginn. Das werden wir nie vergessen“, erklärte Maas am Samstag in Berlin. „Wir trauern um einen großen Staatsmann und einen Freund Deutschlands. 1989 in der Stunde des Umbruchs, der Probe, als die Blöcke wankten und die jahrzehntelange Konfrontation zu bröckeln begann, ergriff er mutig die Chance zur Beendigung des Kalten Krieges.“

Trump würdigt Bushs Authentizität und Witz

Dem Historiker Mark Updegrove zufolge hatte George H. W. Bush keine gute Meinung von Donald Trump und wählte ihn im November 2016 auch nicht - obwohl er der Kandidat seiner Partei war. Trump war der Trauerfeier von Barbara Bush ferngeblieben. Der Präsident ließ ausrichten, „aus Respekt vor der Bush-Familie“ nicht an der Zeremonie teilnehmen zu wollen.

Der amtierende Commander-in-Chief Donald Trump, den Bush ablehnte und nicht bei der Beerdigung von Ehefrau Barbara sehen wollte, würdigte am Samstag Bushs „Authentizität, seinen Witz und sein unerschütterliches Bekenntnis an Glaube, Familie und das Land“.

Mit seinem „zuverlässigen Urteilsvermögen und gesundem Menschenverstand“ habe Bush Amerika und der Welt zu einem „friedlichen und siegreichen Abschluss des Kalten Krieges“ verholfen. (mit W.B./dpa)