Islam-Konferenz

Seehofer: Einflussnahme bei der Imam-Ausbildung begrenzen

Innenminister Horst Seehofer (CSU) begrüßt Ayten Kilicarslan und Ahmad Mansour zu Beginn der Auftaktveranstaltung.

Innenminister Horst Seehofer (CSU) begrüßt Ayten Kilicarslan und Ahmad Mansour zu Beginn der Auftaktveranstaltung.

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Horst Seehofer hat in Berlin die Deutsche Islam-Konferenz eröffnet. Dabei forderte er einen neuen Ansatz bei der Ausbildung von Imamen.

Berlin.  Als Bundesinnenminister Horst Seehofer der „Bild“-Zeitung im März sagte, dass der Islam nicht zu Deutschland gehöre, erntete er Kritik – aber auch Zustimmung. Wiederholen wollte der CSU-Politiker diesen Satz am Mittwoch bei der Eröffnung der Deutschen Islam-Konferenz (DIK) in Berlin nicht.

Stattdessen sagte der Bundesinnenminister: „Muslime gehören zu Deutschland und haben selbstverständlich dieselben Rechte und Pflichten wie jeder hier in Deutschland.“ Zentral sei für ihn die Frage, wie ein Islam in Deutschland gefördert könne, der „deutsche Wurzeln hat – einen Islam der deutschen Muslime“.

Islam soll Grundgesetz achten

Dieser Islam, der laut Seehofer „die Werte unseres Grundgesetzes teilt und die Lebensarten dieses Landes achtet“. Seehofer wünschte sich, dass sich Muslime und Nicht-Muslime weiter annähern – „als Nachbarn, Kollegen und Freunde“.

Dafür sei es nötig, dass sich muslimische Gemeinden weiter dem gesellschaftlichen Leben widmen, beispielsweise in Form von ehrenamtlichem Engagement, aber auch durch Achtung der deutschen Grundwerte, Nutzung der deutschen Sprache und Vernetzungen im Sozialen.

240 Muslime, Wissenschaftler, Juristen und Politiker diskutieren auf der DIK darüber, wie die Integration von Muslimen weiter voranschreiten kann – und welche Rolle Muslime in Deutschland spielen sollen. Bei den Einladungen wurde darauf geachtet, dass möglichst viele Vertreter unterschiedlicher Positionen vertreten sind.

Einerseits geht es um den Dialog zwischen Christen, Juden und Muslimen. Andererseits geht es darum, dass die verschiedenen muslimischen Glaubensrichtungen in Deutschland stärker miteinander reden.

Die Bundesregierung würde gerne ein Mittler für die verschiedenen muslimischen Strömungen sein. Am liebsten wäre es der Regierung, wenn die Verbände ihre Interessen bündeln und in Zukunft mit einer Stimme sprechen.

Ein bereits bei der Podiumsdiskussion zum Auftakt kontroverses Thema ist der Umgang mit Imamen aus der Türkei. Besonders umstritten ist die Rolle des türkischen Moscheeverbandes Ditib. Die türkische Regierung schickt die Imame direkt aus Ankara nach Deutschland in die rund 900 Gotteshäuser.

Den Sicherheitsbehörden gelten einzelne Prediger als verlängerter Arm von Präsident Recep Tayyip Erdogan. Der Vorwurf: Sie spalten die deutsche Gesellschaft. Am Sonntag war der niedersächsische Ditib-Vorstand aus Protest gegen die Einflussnahme aus Ankara zurückgetreten.

Druck auf die Türkei erhöht

Das Innenministerium erhöht derzeit den Druck auf die türkische Religionsbehörde. Bei Treffen zwischen den Behörden geht es vor allem darum, die Imame nicht in Ankara ausbilden zu lassen, sondern schrittweise mehr Prediger an Ditib-Moscheen zu schicken, die auch in der Bundesrepublik ausgebildet wurden. Seehofer gab als Ziel aus, dass die „ausländische Einflussnahme so gut wie möglich begrenzt wird“. Dies gelinge aber besser durch Dialog als durch Ausgrenzung. Deshalb sei Ditib auch bei der diesjährigen Islamkonferenz mit Plätzen auf den Podien vertreten.