EKD-Studie

Mehrheit: Islam passt nicht zu Deutschland – Muslime schon

Muslime bereiten sich in der Merkez-Moschee in Duisburg auf das Freitagsgebet vor. Im Alltagsleben werden sie akzeptiert – für ihre Religion gilt das weniger.

Muslime bereiten sich in der Merkez-Moschee in Duisburg auf das Freitagsgebet vor. Im Alltagsleben werden sie akzeptiert – für ihre Religion gilt das weniger.

Foto: dpa Picture-Alliance / Roland Weihrauch / picture alliance / dpa

Eine Studie der Evangelischen Kirche beleuchtet die Sicht der Bevölkerung auf Muslime und ihre Religion. Passen sie zu Deutschland?

Berlin.  In Deutschland leben derzeit rund 4,5 Millionen Muslime. Und es werden von Jahr zu Jahr mehr. Forscher gehen davon aus, dass sich die Zahl der Muslime bis zum Jahr 2050 hierzulande verdoppeln wird, wenn sich die Migration nach Deutschland in einem mittleren Tempo fortsetzen sollte. Mehr als zehn Prozent der Bevölkerung würden dann zu den Anhängern des Islam gezählt werden.

Der Islam wächst also, während das Christentum schrumpft. Gehört der Islam daher – unweigerlich – zu Deutschland? Eine neue repräsentative Studie findet auf die Frage eine deutliche Antwort: 53,7 Prozent der Befragten lehnen die Aussage „Der Islam passt in die deutsche Gesellschaft“ ab, während nur 33,1 Prozent sie bejahen. Die übrigen 13,1 Prozent zeigen sich unentschlossen.

Durchgeführt wurde die Umfrage im August vom Sozialwissenschaftlichen Institut der Evangelischen Kirche (EKD), vor den Ereignissen in Chemnitz und Köthen. Gleichwohl ist die Ablehnung des Islam in Ostdeutschland größer: Hier sind 61 Prozent der Befragten der Meinung, der Islam passe nicht in die deutsche Gesellschaft.

Horst Seehofer: „Islam gehört nicht zu Deutschland“

Eine Haltung, in der sich möglicherweise Innenminister Horst Seehofer bestätigt sehen könnte: Der CSU-Chef hatte nach seinem Amtsantritt vor einem halben Jahr klargestellt, dass für ihn der Islam nicht zu Deutschland gehört – aber die hierzulande lebenden Muslime selbstverständlich schon.

Worauf ihm Parlamentspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) widersprach: „Wir können nicht den Gang der Geschichte aufhalten. Alle müssen sich damit auseinandersetzen, dass der Islam ein Teil unseres Landes geworden ist“, sagte Schäuble im März unserer Redaktion.

Dass die Deutschen einen Unterschied zwischen „dem Islam“ und „den Muslimen“ machen, zeigt auch die Studie: So sichtbar die Ablehnung des Islam ausfällt, so positiv ist die Haltung gegenüber Muslimen. Der Aussage „Muslime gehören zum Alltagsleben in Deutschland“ stimmen mehr als zwei Drittel der Bevölkerung (69,1 Prozent) zu. Nur jeder Vierte (23,9 Prozent) widerspricht, sechs Prozent äußern sich dazu nicht.

Islam-Buch von Sarrazin sorgt für Kontroversen

Auch hier fällt die Haltung der Ostdeutschen negativer aus: Fast jeder Dritte (31 Prozent) ist nicht der Meinung, dass Muslime zum deutschen Alltagsleben gehören sollten. Ja zu Muslimen – aber nein zu ihrer Religion: Warum machen die Deutschen da so einen Unterschied? Die Autorin der Studie, Petra-Angela Ahrens, erklärt: „Diese Diskrepanz hängt möglicherweise auch mit einer insgesamt verbesserungsfähigen Kenntnis des Islam zusammen.“

Eine These, die die Umfrage bestätigt: Nur 26,7 Prozent sind davon überzeugt, eher gut oder sogar sehr gut über den Islam informiert zu sein. Die breite Mehrheit sieht bei sich Wissenslücken oder gibt zu, schlecht informiert zu sein. Für den Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Markus Dröge, sind die Ergebnisse keine Überraschung: „Extremistische und fundamentalistische Strömungen führen zu Vorbehalten“, sagte Dröge bei der Studienvorstellung.

Befragte gegen islamischen Religionsunterricht

Bei der Frage, ob es islamischen Religionsunterricht an den deutschen Schulen geben sollte, herrscht bundesweite Einigkeit: Nein. Nur ein Drittel der Befragten fände Islamstunden in den Schulen gut. Die Mehrheit der Bevölkerung (53,8 Prozent) ist außerdem der Meinung, dass unter den Muslimen in Deutschland viele religiöse Fanatiker sind.

Die Umfrage zeigt allerdings auch, dass die Akzeptanz für den Islam wächst, wenn die Befragten selbst Kontakt zu Muslimen haben. Die Auftraggeberin der Studie, die Evangelische Kirche, versteht die Ergebnisse daher als Auftrag, den Dialog mit dem Islam zu intensivieren.

Ein Thema, das genauso die staatlichen Stellen umtreibt: Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz (CDU), sagte am Montag dem Sender NDR Info: „Wir müssen dort, wo es Probleme gibt, diese offen, aber auch in einem respektvollen Umgang miteinander ansprechen.“

Vor einem gemeinsamen Treffen veröffentlichten Widmann-Mauz und ihre Amtskollegen aus den ostdeutschen Ländern zudem eine Erklärung: „Respekt vor unseren Werten und Regeln“ sei die Voraussetzung für Integration und gesellschaftlichen Zusammenhalt, schreiben sie.

Zugleich wollen die Integrationsbeauftragten stärker gegen

Gewalt habe in diesem Land keinen Platz, genauso wenig wie Hass und Hetze, heißt es in dem Schreiben.