Seenotrettung

Schiff „Aquarius 2“ bringt Migranten nach Marseille

Sophie Beau, Vize-Präsidentin von SOS Méditerranée und Francis Vallat, Präsident der Hilfsorganisation.

Sophie Beau, Vize-Präsidentin von SOS Méditerranée und Francis Vallat, Präsident der Hilfsorganisation.

Foto: CHRISTIAN HARTMANN / REUTERS

Die „Aquarius 2“ ist das letzte private Rettungsschiff im zentralen Mittelmeer. Nun steht offenbar auch diese Mission vor dem Aus.

Paris.  Nachdem Panama angekündigt hat, die „Aquarius 2“ aus seinem Schifffahrtsregister zu löschen, ziehen die Hilfsorganisation SOS Méditerranée und Ärzte ohne Grenzen nun Konsequenzen: Sie baten die Behörden in Frankreich 58 Geretteten in Marseille von Bord gehen lassen zu dürfen. Mit der Rücknahme der Zulassung würde das letzte private Rettungsschiff im zentralen Mittelmeer lahmgelegt werden.

Das Schiff sei nun auf dem Weg zum Hafen der französischen Stadt, kündigten die Hilfsorganisationen am Montag bei einer Pressekonferenz in Paris an. Frédéric Penard, Operationschef von SOS Méditerranée, begründete die Fahrt nach Marseille damit, dass dies nötig sei, um die Flagge zu wechseln.

Italien und Malta verweigern Landung

Die Organisation hat dort ihren Sitz und zuletzt längere Zwischenstopps eingelegt. Operationschef Penard berichtete zudem, dass Italien und Malta dem Schiff erneut verweigert hätten, die Migranten in einem ihrer Häfen an Land gehen zu lassen.

Sophie Beau von SOS Méditerranée in Frankreich rief Panama dazu auf, die Entscheidung zum Entzug der Registrierung rückgängig zu machen. Andernfalls rufe die Organisation die europäischen Staaten dazu auf, das Schiff in einem anderen Land zu registrieren, damit es unter einer europäischen Fahne fahren kann.

Seit Anfang des Jahres 1700 Menschen ertrunken

Penard sagte, es gebe eine „absolute Notwendigkeit“ für die privaten Rettungsaktionen. Seit Beginn des Jahres sind laut Internationaler Organisation für Migration mehr als 1700 Menschen bei dem Versuch ertrunken, das zentrale Mittelmeer zu überqueren, oder gelten als vermisst. In den letzten Monaten waren mehrere Rettungsboote – darunter auch schon die „Aquarius“ – mit aus Seenot geretteten Migranten an Bord tagelang auf dem Mittelmeer blockiert gewesen. Der italienische Innenminister Matteo Salvini verfolgt seit Antritt der neuen Regierung in Rom im Juni eine Null-Toleranz-Politik gegen Migranten, die mit Booten versuchen, illegal Italiens Küsten zu erreichen. (dpa/les)