Niedersachsen

Anschlag auf Bahnstrecke – Zusammenhang mit Nazi-Demo?

Teilnehmer des sogenannten „Tag der deutschen Zukunft“ befestigen ein Banner an einen Transporter.

Teilnehmer des sogenannten „Tag der deutschen Zukunft“ befestigen ein Banner an einen Transporter.

Foto: Swen Pförtner / dpa

Beton und brennende Reifen im Gleis legen eine Zugstrecke lahm. Wollten Unbekannte die Anreise von Demonstranten behindern?

Ilsenburg/Goslar.  Mindestens 3000 Menschen haben in Goslar friedlich gegen Neonazis demonstriert. Mit Transparenten mit Aufschriften wie „Goslars Zukunft bleibt bunt – Kein Platz für Rassismus“ protestierten sie gegen den sogenannten „Tag der deutschen Zukunft“.

Zunächst hätten sich rund 170 Neonazis gesammelt, sagte ein Sprecher der Polizei Goslar am Samstag. Gleichzeitig verübten Unbekannte einen Anschlag auf eine Bahnstrecke zwischen Halberstadt und Goslar. Die Bundespolizei prüft, ob es einen Zusammenhang mit den Demonstrationen in Goslar gibt.

Bahnstrecke wurde sofort gesperrt

Bei Ilsenburg in Sachsen-Anhalt hätten die Unbekannten brennende Reifen ins Gleis gelegt, Kabelschächte beschädigt und Flüssigbeton ausgekippt, wie eine Sprecherin der Bundespolizei in Magdeburg sagte. Ein Fahrdienstleiter habe dank Notfallanzeigen bemerkt, dass an der Strecke etwas nicht stimmte. Diese wurde sofort gesperrt, so dass kein Zug in Gefahr geriet.

Am Einsatzort fanden die Beamten der Sprecherin zufolge einen Zettel mit dem Satz „Stellt den Bahnverkehr ein“. Die Buchstaben seien aus Zeitungen ausgeschnitten und aufgeklebt gewesen. Entschärfer nahmen die Strecke am Ort des Anschlags unter Augenschein. Nach Angaben der Sprecherin der Bundespolizei wurde aber kein Sprengstoff entdeckt. Im Laufe des Samstags wurde die Streckensperrung wieder aufgehoben.

Stadt konnte Neonazi-Aufmarsch nicht verbieten

Nach Angaben einer Sprecherin der Stadt Goslar wollten bis zu 300 Neonazis aus allen Teilen Deutschlands anreisen. Die Polizei hatte sich darauf vorbereitet, Konfrontationen und Ausschreitungen zu verhindern. Dazu wurden Einsatzkräfte aus mehreren Bundesländern zusammengezogen. Die Rechten hatten monatelang für die Teilnahme an der Veranstaltung geworben. Die Stadt hatte keine rechtliche Möglichkeit gesehen, den Aufmarsch zu verbieten.

Neonazis hatten bereits in den vergangenen Jahren zu „Tagen der deutschen Zukunft“ aufgerufen. Daran hatten in verschiedenen Städten jeweils mehrere Hundert Menschen teilgenommen.

Polizei nahm Demonstranten in Gewahrsam

An der Gegendemo eines Bündnisses aus Gewerkschaften, Kirchen, Parteien, Vereinen und Initiativen nahmen auch Goslars Oberbürgermeister Oliver Junk (CDU) und der frühere Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) teil.

Nach Angaben des Polizeisprechers versuchten einige Demonstranten, zu den Rechten vorzudringen. Dies sei aber nicht gelungen. In zwei Fällen habe es vorübergehende Ingewahrsamnahmen gegeben, als Gegendemonstranten versuchten, Absperrungen der Polizei zu durchbrechen. (dpa)