Leitartikel

Strategie für Umgang mit Donald Trump gesucht

Merkel zu Gesprächen mit Trump in Washington eingetroffen

Die US-Strafzölle auf Stahl und Aluminium, das Atomabkommen mit dem Iran: Heikle Themen stehen auf der Tagesordnung der Gespräche, zu denen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit US-Präsident D...

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Erst Macron, jetzt Merkel: Binnen weniger Tage sind zwei europäische Staatenlenker bei Trump zu besuch. Doch wie geht man mit ihm um?

Washington.  Der schwierige Kurzbesuch von Angela Merkel bei US-Präsident Donald Trump hat für die Kanzlerin einen Wert an sich. Sie und damit auch Deutschland ist nach quälenden Monaten der Regierungsbildung zurück auf der Weltbühne. Immerhin.

Der 71-jährige Trump hat, während in Deutschland über die Befristung von Verträgen und den Familiennachzug in Koalitionsverhandlungen diskutiert wurde, damit begonnen, seine Versprechen aus dem Wahlkampf für ein stärkeres Amerika umzusetzen.

Und damit, die Weltordnung derart zu verändern, dass man in Europa im Mai gleich auf zwei Termine starrt, an denen Trump sich anschicken könnte, sowohl einen Handelskrieg mit der EU anzuzetteln als auch die Lage im Nahen Osten durch ein Kündigen des Atom-Abkommens mit dem Iran noch ein Stück explosiver zu machen.

Europäer dürfen sich nicht auseinander reißen lassen

Die Besuche von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Merkel, eine Prunk-Parade auf der einen, eine nüchterne Positionsbestimmung auf der anderen Seite waren daher Feuerwehr-Missionen: der Versuch, einen Unberechenbaren einzufangen.

Am Ende kann man sagen, dass man es zumindest versucht hat. Gut so. Ob Trump sich von den Argumenten der Europäer beeindrucken lässt oder nicht, wird man wahrscheinlich in einem Tweet erfahren, der einen Tag später einer anderen Einsicht weichen könnte. Wichtig ist: Man muss Trumps Administration deutlich machen, dass sich die Europäer nicht auseinanderdividieren lassen.

Hier liegt auch der Schlüssel für den drohenden Handelskrieg. Denn obwohl die EU Zölle nur gemeinsam verhandeln kann , sind Länder unterschiedlich betroffen. Die Franzosen würden Strafzölle auf Pkw – im Gegensatz zu Deutschland – verkraften. Es fahren einfach zu wenige französische Marken auf amerikanischen Highways.

Unterschiedliche Folgen von Zöllen

Dafür wären die Franzosen von Strafzöllen auf Agrarprodukte empfindlich getroffen. Die letzten Tage zeigten, dass man sich innerhalb der EU schwertut, eine gemeinsame Strategie in der Auseinandersetzung mit den USA zu erarbeiten. EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström kommt kaum nach, die auseinanderdriftenden Positionen unter einen Hut zu bringen.

Mit einem solchen Zwist öffnet man Trumps Strategie, einen Keil zwischen die Europäer zu treiben, Tür und Tor. Es ist fahrlässig und nicht zu begreifen. Da nützen auch angedrohte Schutzzölle auf US-Produkte wie Whisky und Jeans nichts.

Es ist eine europäische Strategie für die Beziehungen zu den USA unter einem Präsidenten Trump erforderlich. Egal, ob er nun vier oder acht Jahre im Amt ist. Darauf zu hoffen, dass es mit der Amtszeit aufgrund der vielen Skandale früher ein Ende haben wird, hilft nicht. Es hilft auch nicht mehr, sich an den Kopf zu greifen oder sich beschämt abzuwenden.

„Good cop, bad cop“-Ansatz vielleicht der richtige Ansatz

Auch eine Physikerin wie Merkel, pragmatisch und unprätentiös, wird lernen müssen, sich auf Trump einzulassen, notfalls auch auf seine Attitüde, dass man bei ihm nur mit Schmeicheleien weiterkommt – und dennoch das nötige Selbstbewusstsein an den Tag legt, damit einen der Präsident auf Augenhöhe akzeptiert.

Möglicherweise ist da der „Good cop, bad cop“-Ansatz des Duos „Mercron“ der richtige für die kommenden Jahre. Ein französischer Präsident, der es fertigbringt, sich lächelnd und voller Contenance auf Trumps männliche Machtspiele einzulassen.

Und eine deutsche Bundeskanzlerin, die als kühle und sachliche Gesprächspartnerin agiert. Idealerweise mit der Unterstützung der anderen europäischen Länder. Egal wie, es bedarf eines neuen Umgangs mit Trump. Auch wenn es schmerzt.