Nord Stream 2

Poroschenko: Deutsch-russische Pipeline muss auf Prüfstand

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko findet, dass das Pipeline-Projekt Nord Stream 2 nach dem Giftanschlag von Salisbury noch einmal überdacht werden sollte.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko findet, dass das Pipeline-Projekt Nord Stream 2 nach dem Giftanschlag von Salisbury noch einmal überdacht werden sollte.

Foto: © Niels Ackermann / Lundi13 / Lundi13

Der ukrainische Präsident kritisiert Befürworter von Nord Stream 2 als „Russlands Komplizen“. Die Pipeline mache Erpressung möglich.

Berlin.  Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hat die Befürworter des geplanten russisch-deutschen Erdgas-Pipeline-Projekts Nord Stream 2 als Handlanger Moskaus kritisiert. „Diejenigen, die Nord Stream 2 unterstützen, werden zu Russlands Komplizen in seinen Hybridkriegen“, sagte Poroschenko unserer Redaktion.

„Ich bin davon überzeugt, dass der Giftanschlag im britischen Salisbury auch Konsequenzen für Nord Stream 2 haben wird.“ Das Pipeline-Projekt müsse „aus politischen, wirtschaftlichen und moralischen Gründen“ überdacht werden.

Gazprom federführend bei Nord Stream 2

Die Bundesregierung steht auf dem Standpunkt, dass es sich bei dem Pipeline-Projekt um ein privatwirtschaftliches Vorhaben handele, aus dem sich die Politik herauszuhalten habe. Federführend ist der russische Energiekonzern Gazprom. Aber auch deutsche Unternehmen wie die BASF-Tochter Wintershall oder Eon sowie andere europäische Firmen sind daran beteiligt.

Für Russland sei Nord Stream 2 kein „Wirtschafts-Projekt“, sondern ein „Instrument der politischen Erpressung“, warnte Poroschenko. Nach Angaben des in Schweden angesiedelten Forschungsinstituts Swedish Defense Research Agency habe Russland zwischen 1991 und 2004 40 Mal den Gashahn für Mittel- und Osteuropa sowie das Baltikum aus politischen Gründen abgedreht.

Deutschland mache sich immer abhängiger

Vor Kurzem habe Gazprom erneut versucht, eine „Gaskrise“ in Europa auszulösen und die Versorgungssicherheit der EU erheblich zu schwächen: Die Gaslieferungen durch die Ukraine seien erheblich reduziert worden. „Russland hat somit wiederholt sein wahres Gesicht bei der Erpressung durch Gas gezeigt“, betonte der ukrainische Präsident.

Durch den Bau von Nord Stream 2 mache sich Deutschland und der Nordwesten Europas immer abhängiger von Russland. Das widerspreche den Prinzipien der Energieunion der EU. „Diese soll Energiesicherheit gewährleisten sowie Energiequellen diversifizieren und einen fairen Wettbewerb fördern“, so Poroschenko.

Ukraine fürchtet weitere Schwächung

Die Ukraine würde durch Nord Stream 2 jährlich zwei Milliarden US-Dollar an Transitgebühren für Gaslieferungen von Russland nach Europa verlieren. „Gazprom würde darüber hinaus auch die Gaslieferungen aus Europa an die Ukraine drastisch reduzieren – es wäre eine Schwächung unseres Landes“, betonte Poroschenko. „Moskau hätte dadurch sogar den Ansporn, vorübergehend auf einen noch größeren Krieg gegen die Ukraine verzichten.“ (FMG)