Handelskrieg

Minister Gabriel sieht Trumps Strafzölle „mit größter Sorge“

Salzgitter in Niedersachsen: Ein Mitarbeiter in Schutzkleidung bearbeitet auf dem Gelände der Salzgitter AG eine Stahlpfanne.

Salzgitter in Niedersachsen: Ein Mitarbeiter in Schutzkleidung bearbeitet auf dem Gelände der Salzgitter AG eine Stahlpfanne.

Foto: Julian Stratenschulte/dpa / dpa

An der Börse machen sich die Trumps Zoll-Pläne schon bemerkbar. Sigmar Gabriel mahnte, ein Handelskrieg sei unbedingt zu vermeiden.

Seoul/Sydney.  US-Präsident Donald Trump hat mit seiner Ankündigung von Zöllen auf Stahl- und Aluminiumimporte die Angst vor einem weltweiten Handelskrieg weiter angefacht. Die Strafzölle könnten die globalen Handelsbeziehungen beeinträchtigen, erklärte die Ratingagentur Moody's. An den Börsen in den USA und Asien gingen die Kurse in die Knie, auch für den Dax wurden fallende Kurse erwartet.

Trump hatte sein Vorhaben am Donnerstag damit begründet, dass er die heimische Industrie wieder aufbauen wolle. Am Freitag twitterte Trump, Handelskriege seien „gut – und einfach zu gewinnen“. Im Wortlauft schrieb er: „Wenn ein Land (USA) viele Milliarden Dollar im Handel mit praktisch jedem Land verliert, mit dem es Geschäfte macht, dann sind Handelskriege gut - und einfach zu gewinnen. Beispiel: Wenn wir ein 100-Milliarden-Dollar-Defizit mit einem Land haben und sie das ausnutzen, handeln wir nicht mehr – und machen einen Riesengewinn. Es ist so einfach!“

Die EU kündigte umgehend eine entschiedene Gegenreaktion an. Australien warnte vor verzerrten Handelsbeziehungen, die letztlich Jobs kosten würden. Südkorea kündigte an, weiter das Gespräch mit Washington zu suchen. "Die Welt steht am Rande eines Handelskrieges", sagte der ING-Aktienexperte Robert Carnell in Singapur. "So fangen Rezessionen an."

Die Tokioter Börse büßte 2,5 Prozent ein. Sie folgte der Wall Street ins Minus. Der Dax in Frankfurt wurde zur Eröffnung ebenfalls tiefer erwartet. Die Papiere des Stahlherstellers Thyssen-Krupp wurden vorbörslich 1,7 Prozent tiefer gehandelt, Salzgitter verloren rund drei Prozent.

Betroffen sind EU, asiatische Länder und Australien

Moody's erklärte, es sei mit negativen Auswirkungen auf die Stahlindustrie in Asien zu rechnen. Doch auch US-Unternehmen, die auf Stahl und Aluminium angewiesen sind, müssten mit höheren Kosten rechnen. Wegen weltweiter Überkapazitäten im Stahlsektor schwelt seit Jahren ein Streit zwischen den USA, der EU und China. Trump hatte angekündigt, für Stahl einen Zoll von 25 Prozent zu erheben, für Aluminium von zehn Prozent.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ließ über ihren Sprecher Steffen Seibert ausrichten: „Die Bundesregierung lehnt solche Zölle ab (...) Diese Zölle würden die internationalen Handelsströme unserer Stahl- und Aluminiumindustrie empfindlich treffen.“

Bundesregierung: Überproduktion lässt sich so nicht lösen

Das Problem der weltweiten Überkapazitäten in diesen Bereichen lasse sich mit solchen einseitigen Maßnahmen der USA nicht lösen. Man stehe an der Seite der für Handelspolitik zuständigen EU-Kommission, die bereits Vergeltungsmaßnahmen angekündigt hat, teilte Seibert weiter mit.

Ein „Handelskrieg“ könne „in überhaupt niemandes Interesse sein“, betonte Seibert, auch nicht in dem der US-Wirtschaft: „Wir haben immer wieder betont, dass wir ein sehr großes Interesse haben, mit Amerika eine lebendige, eine faire, eine freie Wirtschaftpartnerschaft, Handelspartnerschaft zu haben.“

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sprach von einer "eklatanten Einmischung" zum Schutz der US-Industrie. In den nächsten Tagen würden Gegenmaßnahmen erarbeitet, die im Einklang mit den Regeln der Welthandelsorganisation WTO stünden. "Wir werden nicht untätig dabeisitzen, während unsere Industrie durch unfaire Maßnahmen getroffen wird, die Tausende europäische Arbeitsplätze gefährden", erklärte Juncker.

Gabriel: Handelskrieg unbedingt vermeiden

Der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) hat „mit größter Sorge“ auf Trumps Pläne reagiert. „Ein solcher weltweiter US-Rundumschlag würde gerade unsere Exporte und Arbeitsplätze mit am Stärksten betreffen“, sagte Gabriel unserer Redaktion. Die EU müsse auf die Strafzölle, die Tausende Arbeitsplätze in Europa gefährdeten, „mit Entschiedenheit reagieren“.

Eine schwere handelspolitische Auseinandersetzung sei weder im Interesse Europas noch der USA. Er hoffe, dass Trump seine Ankündigung noch einmal überdenkt, sagte Gabriel. „Wir müssen alles dafür tun einen internationalen Handelskonflikt zu vermeiden.“

Trump mit Merkel telefoniert

Nach Angaben aus Washington und Berlin telefonierte Trump am Donnerstag mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Worum es dabei ging, wurde zunächst aber nicht mitgeteilt.

Der australische Handelsminister Steven Ciobo sagte, Zölle brächten nichts anderes als verzerrte Handelsbeziehungen. "Das führt unserer Meinung nach letztlich zum Verlust von Arbeitsplätzen." Gegenmaßnahmen bei anderen wichtigen Handelspartnern seien zu befürchten. "Das dient niemandem."

Trump: Die USA sind für Handel, aber er muss fair sein

China: Trump kann man nicht ändern

Aus dem südkoreanischen Handelsministerium verlautete, zwar sei der schlimmste befürchtete Fall nicht eingetreten – Zölle von 54 Prozent. Aber auch geringere Abgaben würden die südkoreanische Stahlindustrie beeinträchtigen.

Mexikos Stahlindustrie dagegen hatte unmittelbar nach Bekanntgabe der US-Zollpläne sofortige Gegenmaßnahmen gefordert.

Gelassen zeigte sich die chinesische Stahlvereinigung. Die Auswirkungen auf China seien nicht groß, sagte der stellvertretende Vorsitzende Li Xinchuang. Trump könne man nicht ändern. "Wir sind ihm gegenüber schon taub."

Zölle treffen auch China

Insgesamt dürfte die Verhängung der Zölle die USA dennoch insbesondere auf Kollisionskurs mit China bringen. Zwar machen chinesische Einfuhren nur zwei Prozent der US-Stahlimporte aus, aber die massive Überproduktion in China hat zum Einbruch der Weltmarktpreise geführt. Die Regierung in Peking hat bereits Gegenmaßnahmen angedeutet. So könnte sie Zölle auf Agrarimporte aus den USA erheben – etwa auf Sojabohnen. Hier sind die USA der größte Anbieter. (dpa/rtr/zrb)