Rohstoff-Gewinnung

Wie Präsident Trump US-Naturschutzgebiete gefährdet

Demonstranten haben schon am Wochenende gegen die erwartete Entscheidung von US-Präsident Trump protestiert.

Demonstranten haben schon am Wochenende gegen die erwartete Entscheidung von US-Präsident Trump protestiert.

Foto: STAFF / REUTERS

Trump als Umwelt-Frevler? Der US-Präsident wird zwei Naturschutzgebiete „verkleinern“, damit die Industrie Rohstoffe ausbeuten kann.

Washington.  Nirgends ist der Wille Donald Trumps, das Erbe seines Vorgängers zu zerstören oder rückgängig zu machen, so ausgeprägt wie beim Natur- und Umweltschutz.

War der avisierte Ausstieg aus dem Pariser Klimaschutzabkommen noch ein technisch-bürokratischer Akt, so wurde es durch die Entmachtung der Aufsichtsbehörde EPA bei der Kontrolle von Land, Luft und Wasser schon handfester.

Am Montag will der 45. Präsident der Vereinigten Staaten ganz neue Saiten aufziehen. Im Bundesstaat Utah wird er wohl die Schrumpfung zweier von Barack Obama im Dezember vergangenen Jahres ausgewiesenen Naturschutzgebiete („national monuments“) anordnen.

Trump will Gewinnung von Kohle und Uran ermöglichen

Durch die drastische Verkleinerung des 5500 Quadratkilometer großen „Bears Ears“-Gebietes und des einst von Bill Clinton geschützten Areals um „Grand Staircase-Escalante“ sollen lokale Instanzen, Farmer, aber vor allem Industriebetriebe zu ihrem Recht kommen, die dort Rohstoffe wie Kohle oder Uran schürfen wollen. In beiden Fällen hat Trumps Innenminister Ryan Zinke den Missbrauch der zentralstaatlichen Gewalt Washingtons als Hinderungsgrund ausgemacht.

Trumps Entscheidung, für die er eigens in die Mormonen-Hauptstadt Salt Lake City fliegen wird (nicht aber in die geschützten Gebiete), ist in mehrfacher Hinsicht spektakulär und kontrovers.

Normalerweise gilt die Regel: einmal geschützt, immer geschützt

„National Monuments“, zu denen schützenswerte Landschaften und historische Denkmäler gehören, wurden in der Vergangenheit nur selten angerührt. Und wenn, dann aus nachvollziehbaren Gründen. Präsident Woodrow Wilson sah sich 1915 genötigt, den Mangel an Bauholz zu lindern. Also stutzte er das Schutzgebiet um Mount Olympus im Bundesstaat Washington an der Westküste.

Ansonsten gilt die Regel: Einmal „Monument“, immer „Monument“. Oder sogar die Aufwertung zum Nationalpark. So geschehen etwa beim Tourismus-Magneten Bryce Canyon.

Rund 30 Gebiete stehen landesweit auf dem Prüfstand

Donald Trump, der als New Yorker sein Naturempfinden weitgehend auf Golfplätzen und beim Vorbeifahren am Central Park entwickelt hat, will mit der Tradition brechen. Rund 30 Objekte stehen landesweit auf dem Prüfstand. Denn Trump schließt sich der Meinung der von ihm eingestellten Experten an. Danach hat vor allem Obama seine präsidialen Befugnisse „zu oft und zu maßlos“ eingesetzt, um weite Teil Amerikas den Unbilden der Zivilisation zu entziehen.

Dabei folgte der erste Afro-Amerikaner im Oval Office im Fall Utah vor allem dem Drängen von lokalen Naturschützern, Umweltverbänden und diversen Indianerstämmen.

Sie erkennen in dem traumhaften Gebiet um Bears Ears, das wegen seiner Abgeschiedenheit erst sehr spät kartographiert wurde, heiligen Boden. Die vielen Artefakte aus grauer Vorzeit, die bei Ausgrabungen gefunden wurden, müssten unbedingt geschützt werden, fordern sie.

Präsident hat das Recht, Landmarken aufzuwerten

Utahs Gouverneur Gary Herbert und mit ihm die Republikaner im Parlament fühle sich dagegen von Washington „entmachtet“, „ignoriert“ und „übergangen“.

Dabei haben weder Obama noch dessen Vorgänger seit 1906 im luftleeren Raum agiert und landesweit rund 160 Landmarken zum Nationaldenkmal aufgewertet.

Der sogenannte „Antiquities Act“ gibt dem Präsidenten das exklusive Recht, Teile der heimischen Scholle dem Zugriff von außen zu entziehen. Wenn a) eine wissenschaftliche, kulturelle und historische Bedeutung gegeben ist und b) der Kongress es nicht hinbekommt, selbst einen Rechtsrahmen zu verabschieden.

Indianer wollen gegen Trump-Entscheidung klagen

Präsident Teddy Roosevelt machte vor mehr als 100 Jahren den Anfang. Er hielt seine schützende Hand über den „Turm des Teufels“ in Wyoming, eine knapp 300 Meter hohe Formation aus Lava-Gestein, die Indianern bis heute als Wohnsitz der Grizzlybären gilt.

Auch darum zogen am Sonntag rund 5000 Demonstranten vor das Parlament in Salt Lake City und gaben Trump mit ihren „Geh’ nach Hause“-Plakaten einen Vorgeschmack auf das, was nun kommt.

Fünf Indianer-Nationen, darunter die Hopi und die Navajos, sowie diverse Umweltverbände werden nach eigenen Angaben bis zum Obersten Gerichtshof in Washington ziehen, um Trumps Aktionsradius einzuschränken. „Der bisher größte Angriff auf das Erbe dieser Nation kann nicht unwidersprochen bleiben“, meint der demokratische Senator Tom Urall.

Die Navajo-Indianer gehen einen plakativen Schritt weiter. Ihr Refugium zu beschneiden, sagen sie, sei so, als würde man die in Stein gehauenen Präsidenten-Köpfe von Lincoln, Washington, Jefferson und Roosevelt am Mount Rushmore in South Dakota sprengen.